Artikel aus der Filder Zeitung vom 09.09.2009
Basketball. Der SV Möhringen schickt ein Team ausnahmslos mitSpielern aus dem Reich der Mitte an den Start. Von Harald Landwehr
Vor sechs Jahren bereits hat sich rund um das Vaihinger Universitätsgelände eine Gruppe junger Chinesen gebildet, die sich den Namen "Fließband" gegeben hat und die in ihrer Freizeit durch zwei sportliche Leidenschaften verbunden ist: Die Landsleute aus dem Reich der Mitte, zum Großteil Studenten an der Uni Stuttgart, nehmen an Drachenbootrennen in ganz Europa teil - und sie spielen gemeinsam Basketball. Letzteres geschah bislang allerdings nicht im offiziellen deutschen Spielbetrieb, sondern hauptsächlich in den Sommermonaten auf Freiplätzen und bei Turnieren mit chinesischen Hobbyteams aus anderen deutschen Städten. "Es gibt in 16 deutschen Großstädten chinesische Mannschaften, die seit 2006 einmal im Jahr ihren Meister ausspielen. Die letzten beiden Endspiele haben wir Stuttgarter gewonnen", erzählt Dong Fu, der Spielertrainer ist und der die Zusammenarbeit mit dem SV Möhringen ins Rollen gebracht hat.
Mitte August hat der Praktikant eines Stuttgarter Autobauers beim Filderclub angeklopft, dies eigentlich nur auf der Suche nach Trainingsmöglichkeiten für sein Team. Drei Wochen später wurden die zwölf jungen Chinesen bereits beim Bezirk Stuttgart/Rems als Möhringer Mannschaft gemeldet. "Das ging problemlos. Geholfen hat uns auch die Tatsache, dass der VfL Waiblingen eine Mannschaft zurückgezogen hat und dadurch ein Platz frei wurde", sagt Hans-Joachim Schell, der stellvertretende Basketball-Abteilungsleiter des SV Möhringen, der die Gespräche mit dem Verband führte. Und so heißt es von Oktober an China gegen die TSG Backnang, den SSV Aalen oder die dritte Mannschaft von Hellas Esslingen. Die sportlichen Chancen sind dabei nicht die schlechtesten, wie Schell bei zwei Testspielen gegen das eigene Landesliga- und Oberligateam gesehen hat. "Die Jungs haben ordentliches Bezirksliga-Niveau. Im Normalfall müssten sie direkt aufsteigen", sagt er.
Über Erfahrungen im deutschen Ligabetrieb verfügen bisher erst zwei Akteure aus Dong Fus Aufgebot, das sich aus Spielern unterschiedlichster Provinzen des asiatischen Riesenreichs zusammensetzt. Der Spielertrainer selbst war während seiner Studienzeit beim ACT Kassel aktiv, sein Kollege Jiesheng Zhu ging für die SG Weimar sogar in der Regionalliga auf Korbjagd. Die Nordhessen aus Kassel waren in der vergangenen Saison übrigens auch der erste deutsche Verein, der eine komplett aus Chinesen bestehende Mannschaft in seine Abteilung integrierte. "Die Freunde dort sind gleich Meister in der Kreisliga geworden. Es würde uns freuen, wenn wir etwas Ähnliches schaffen würden", sagt Dong Fu.
Sorgen, dass es zu Verständigungsproblemen mit den jeweiligen Gegnern kommt, hat Dong Fu nicht. "Die Regeln sind ja international und gelten für alle gleich", sagt der Sprecher der Neu-Möhringer Basketballer. Und für eine gute Integration im eigenen Verein haben die Chinesen auch noch den Geschäftsstellenleiter Schell. "Ich habe ihnen gezeigt, wie man einen Spielberichtsbogen richtig ausfüllt, und deutlich gemacht, dass es bei uns auch dazugehört, bei Spielen anderer Mannschaften anzufeuern oder das Kampfgericht zu stellen", sagt der ehemalige Bundesliga-Spieler. Dafür, dass die neue Kreisliga-B-Mannschaft ihrerseits an der Hechinger Straße verbale Unterstützung erhält, wollen die Akteure aber auch selbst sorgen. "Es gibt im Internet ein Forum mit Terminen, auf das jeder Chinese, der in der Region Stuttgart lebt, regelmäßig schaut. Dort werden wir alle unsere Spiele ankündigen", sagt Dong Fu. Es könnte also durchaus sein, dass auf den Fildern künftig manch eine chinesische Party steigt.
09.09.2009 - aktualisiert: 09.09.2009 06:02 Uhr
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