Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 10.09.2009
Wickie und die starken Männer
Der streitsüchtige Wikinger
Schwer zu bremsen: Christian A. Koch aus Esslingen spielt in "Wickie und die starken Männer " den zänkischen Giftzwerg Snorre. Die Rolle des zänkischen Snorre ist ihm auf den Leib geschrieben: Der in Esslingen lebende Schauspieler Christian Alexander Koch gibt dem Giftzwerg aus der Zeichentrickserie "Wickie" in Bully Herbigs Realfilm ein prägnantes Gesicht.
Es ist Kochs erste große Kinorolle. Der 40-Jährige hat schon in allen Krimiserien mitgewirkt, "Tatort", "Der Bulle von Tölz", "Soko" und "Die Rosenheim Cops", doch es waren durchweg Kurzauftritte. Oft spielte er einen Polizisten, manchmal einen armen Kerl, der zu Unrecht verdächtigt wird. Im Kino erging es ihm ähnlich - auch in Marcus H. Rosenmüllers Filmen "Beste Gegend" und "Räuber Kneißl" hatte er Nebenrollen und kaum die Möglichkeit, sich ins Langzeitbewusstsein der Kinozuschauer zu spielen.
Mit der Hauptrolle in "Wickie und die starken Männer" dürfte das anders werden. Koch hat sie sich bei einem Fernseh-Casting erarbeitet. Zur Vorbereitung schaute er sich Folgen der Animations-Serie an, trainierte typische Snorre-Eigenheiten und hatte den mürrischen, nörgelnden Tonfall seiner Figur schnell verinnerlicht. Auch dass er ständig im handgreiflichen Dauer-Clinch mit seinem Wikingerkollegen Tjure liegt, brachte Koch nicht in Verlegenheit. "Es liegt mir, wenn ich eine Figur erst einmal körperlich erarbeiten kann und mich ihr von außen nach innen nähere", sagt er. Ausdauersport hat er schon immer betrieben, für die Rolle des streitsüchtigen Wikingers verschrieb er sich zusätzlich Krafttraining.
Bei den Dreharbeiten legte er dann richtig los. "Mich musste man nicht wirklich motivieren", sagt Koch und lacht, "ich habe eine gewisse Spielfreude entwickelt und bin auch mal übers Ziel hinausgeschossen." Regisseur Bully Herbig hat ihn gebremst - für Koch kein Problem. "Wenn ein Regisseur ganz genau weiß, was er will, hilft das einem als Schauspieler nur. Er ist am Set so locker, charmant und schlagfertig wie im Fernsehen, aber in erster Linie ist er Perfektionist. Er hat die Auflösung der einzelnen Szenen im Kopf und weiß exakt, wie sich die Figuren im Gesamtkontext bewegen müssen. Bully spielt schon auch mal selbst vor, wie er sich die Figur vorstellt."
Koch wird mit seiner Snorre-Interpretation sicher auch bei den Kindern punkten. Die lieben Figuren, die sich dauernd streiten und all das ungebremst ausleben, was im realen Leben von den Eltern verboten wird. Womöglich wird Snorre Kult, doch Koch bleibt auf dem Boden. Gerade hat er wieder einen Kurzauftritt absolviert: In "Soko Stuttgart" spielt er einen Verdächtigen, der einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Alles wie gehabt? Wahrscheinlich nicht. "Wickie" startet mit über 900 Kopien in den deutschen Kinos, und bald wird Christian Koch eine öffentliche Person sein. Erste Nebenwirkungen spürt er schon: Seine fünfjährige Tochter könnte ihren Papa in einem Überraschungsei finden - als Plastikfigur und Sammelobjekt.
Klaus Friedrich
10.09.2009 - aktualisiert: 10.09.2009 14:40 Uhr