Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 10.09.2009
District 9
Internierungslager für Aliens
Starregisseur Peter Jackson ("Der Herr der Ringe") hat den Film produziert, doch nicht nur deshalb fiebern Science-Fiction-Fans "District 9" seit Monaten entgegen - formal wie inhaltlich bietet der Streifen des Regiedebütanten Neill Blomkamp höchst Ungewöhnliches für sein Genre.
Schon die Einführung erfolgt als Pseudo-Dokumentation aus Nachrichten-Schnipseln und Handkamera-Bildern: Ein riesiges außerirdisches Raumschiff schwebt über dem südafrikanischen Johannesburg. Die Aliens kamen vor knapp 30 Jahren weder als Eroberer noch als weise Ratgeber, sondern als ausgehungerte Flüchtlinge - intergalaktische Boat-People. Die Regierung wusste nicht, was sie mit den an Krustentiere erinnernden Geschöpfen anfangen sollte und steckte sie in ein Lager namens District 9. Doch TV-Interviews dokumentieren den wachsenden menschlichen Volkszorn: Wir haben sie nicht gerufen, sie kosten Geld, sind anders als wir - so entsteht Fremdenhass.
Die Lösung: Die Aliens bekommen ein neues Ghetto außerhalb der Stadt. Mit der Umsiedlung wird das multinationale Unternehmen MNU beauftragt, die Operation leitet der linkische Bürokrat Wikus van der Merwe (Sharlto Copley). Der hat Probleme, die schießwütigen MNU-Söldner unter Kontrolle zu halten, und dann er kommt auch noch mit einer seltsamen Flüssigkeit in Kontakt und beginnt, sich langsam in einen Alien zu verwandeln. Nun wird Wikus selbst zum Gejagten.
Eine Parabel auf Apartheid, Flüchtlingsproblematik und Rassismus? Oder sind diese Aspekte lediglich die Folie für einen konventionellen Action-Kracher, zu dem sich "District 9" in der zweiten Hälfte mehr und mehr entwickelt? Regisseur Blomkamp konnte sich offenbar nicht so recht entscheiden, und oft hat man das Gefühl, er habe zwar viele grandiose Ideen gehabt, aber zu wenig Zeit, sie alle stimmig miteinander zu verknüpfen. Doch selbst bei holpernder Logik bietet "District 9" noch eine um Lichtjahre intelligentere Handlung und bessere Action-Szenen als Hochglanz-Schmarrn wie "Transformers".
Oliver Stenzel
10.09.2009 - aktualisiert: 10.09.2009 15:04 Uhr