Artikel aus der Filder Zeitung vom 16.09.2009

 

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Einzelhandel: Schwabengalerie holt Kaufkraft zurück

Vaihingen. Fünf-Jahre-Bilanz: Das Einkaufszentrum hat sich als Magnet im Ortskern etabliert. Von Ursula Vollmer
 

Ihr Entstehen war begleitet von den Sorgen der Einzelhändler, die um ihre Existenz fürchteten, und von der Skepsis vieler Vaihinger, die sich für ihre Ortsmitte kein Einkaufszentrum neuen Stils vorstellen mochten. Doch die Schwabengalerie, die ihr fünfjähriges Bestehen von heute an fünf Tage lang feiert, konnte viele Bedenken ausräumen: das befürchtete Verkehrschaos ist ausgeblieben, obwohl im Durchschnitt rund 10 000 Kunden täglich das Center ansteuern, und die angestammten Einzelhandelskollegen haben erfahren, dass die Sorgwirkung ihres neuen Nachbarn auch dem eigenen Umsatz zugute kommen kann.



Bettina Matz, die selbst in Vaihingen aufgewachsen ist und als Centermanagerin die Geschicke der Schwabengalerie seit dem ersten Tag lenkt, zeigt sich jedenfalls vom Erfolgskonzept überzeugt. "Mit der Entwicklung sind wir absolut zufrieden", sagt die Geschäftsfrau. Mit einem gut sortierten Branchenmix von etwa 50 Ladengeschäften, deren Fluktuation sich in engen Grenzen halte, 1200 Parkplätzen, etlichen gastronomischen Angeboten und vielen Einzelaktionen sei es dem Einkaufszentrum gelungen, für steigende Käuferfrequenzen und somit für eine gute Standortbindung zu sorgen. Ohne die Schwabengalerie, so die Managerin, würden sich zahlreiche Kunden von Vaihingen wegorientieren. Auch architektonisch füge sich der Gebäudekomplex gut in den Stadtteil ein.



Der Immobilienunternehmer Rudi Häussler hatte das Projekt von den später preisgekrönten Architekten Léon, Wohlhage, Wernik für 125 Millionen Euro umsetzen lassen. Nach dem Ende der Brauerei Schwabenbräu und den gescheiterten Supermarktplänen eines Stuttgarter Investors war die Industriebrache im Ortszentrum Vaihingens in ein modernes Einkaufszentrum umgewandelt worden. Unangefochten von aller Kritik hatte der Bauherr sein Werk stets verteidigt - und nach Meinung von Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt hat der Senator recht behalten. "Was Häussler prognostizierte, ist eingetreten: nach Vaihingen konnte sehr viel auswärtige Kaufkraft zurückgewonnen werden", sagt er.



Zusätzlich erfülle die Schwabengalerie auch eine soziale Komponente: Gerade ältere Menschen schätzten es, so Meinhardt, unbehelligt von Wind und Wetter schauen, kaufen und sich auch mal niederlassen zu können. "Manche treffen sich regelmäßig auf eine Tasse Kaffee oder essen dort", sagt der Bezirksvorsteher. Und die Jugend komme ebenfalls auf ihre Kosten: Studenten vom Vaihinger Campus seien über den Nahverkehr gut angebunden und ebenfalls häufig im Haus, um sich für den täglichen Bedarf einzudecken.



Dass es in der Schwabengalerie sogar täglich international zugeht, bestätigt auch die Centermanagerin: Angehörige der in Vaihingen stationierten amerikanischen Truppen seien es ohnehin gewohnt, in derartigen Shopping-Zentren einzukaufen; sie nutzten das Angebot mithin ganz selbstverständlich oder feierten ihren Stationierungswechsel in einem der Lokale.



Gefeiert werden kann auch im benachbarten Bürgersaal. Neben privaten Festgesellschaften haben nach Auflistung des Bezirksvorstehers im vergangenen Jahr 25 unterschiedliche Gruppierungen, Vereine oder etwa die Musikschule als ständige Mieter die Räumlichkeiten genutzt. Hinzu komme noch einmal die gleiche Anzahl kommerzieller Nutzer, die regelmäßig Personal- und Jahreshauptversammlungen, Diskussionen, Seminare, Lesungen oder Konzerte veranstalteten.



"Ohne Schwabengalerie wäre in Vaihingen nicht mehr viel los", bringt es Brigitte Laich vom gleichnamigen Sportgeschäft auf den Punkt. Sie sehe die Nachbarschaft zur Schwabengalerie deshalb durchaus positiv, auch im Hinblick auf ihre eigene Kundschaft. Hans Guryca, Vorstandsmitglied vom Verbund Vaihinger Fachgeschäfte, kommt zu einem ähnlichen Schluss: "Für uns Einzelhändler ist es generell schwierig geworden", sagt er, "wir sitzen alle auf dem ,Hungerast". Aber ohne das Einkaufszentrum als Magnet wäre Vaihingen tot." Die schlechteste Lösung hieße für Guryca, "wenn jeder für sich alleine wurschtelt. Wir müssen vielmehr zusammen arbeiten".



Deshalb hat sich auch die Schwabengalerie gleich nach ihrer Eröffnung dem Verbund angeschlossen. "Die Zusammenarbeit ist super", findet Bettina Matz. Das Geburtstagsfest ist daher wie gewohnt innerhalb des traditionellen Vaihinger Herbstes angesetzt - aus Anlass des diesjährigen kleinen Jubiläums dauert es allerdings zwei Tage länger als sonst.
 

16.09.2009 - aktualisiert: 16.09.2009 06:00 Uhr

 

 



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