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Piratenpartei in Stuttgart

Ein eigener Ergebnisbalken im TV

Foto: dpa

Die Piratenpartei stellt mit Stefan Urbat und Norbert Welk zwei Kandidaten in Stuttgart
 

Stuttgart - Sie gibt es. Leibhaftig und zum Anfassen. Die Piratenpartei besteht nicht nur aus Nullen und Einsen im Internet – ihrem Lieblingsthema. 25 Männer und eine Handvoll Frauen sitzen am Stammtisch im Zadu im Westen und reden über den Bundestagswahlkampf. Bleiben wir beim Klischee. Sind das nun sexy und moderne Freibeuter, die die Politik entern oder Computerfanatiker, die sonst in dunklen Kellern hausen?

Fragen wir die Bundestagskandidaten der Partei. "Sexy und hipp?", da grinsen Stefan Urbat (44) und Norbert Welk (45) und bekennen: "Wir müssen die Damen enttäuschen, an Johnny Depp reichen wir nicht heran." Spezialisten am Rechner sind sie schon eher, Welk ist Netzwerk- und Systemadministrator, Urbat Physiker, der als Informatiker arbeitet. Passt doch prima in die Schublade. "Bei der Gründungsversammlung des Landesverbands im November 2007 waren wir 25 Mitglieder", sagt Urbat, "davon 90 Prozent Informatiker." Aber da sehe man mal, was Dramatisches geschehen sei, "dass man diese Computerfreaks aus ihren Kellern lockt".

Bei Urbat war es der Versuch der US-Konzerne, sich weitreichende Patente auf Software zu sichern. "Das wäre der Tod der kleinen europäischen Software-Entwickler gewesen", erinnert er sich an 2002, "damals habe ich an viele Abgeordnete geschrieben." Von Ute Kumpf (SPD) sei sogar eine fundierte Antwort gekommen. Nun kandidiert er wie Kumpf für den Bundestag. Norbert Welk sagt von sich, er sei lange unpolitisch gewesen. "Doch als 2007 das Vorratsdatenspeicherungsgesetz drohte, habe ich gesagt: Jetzt ist es genug, ich werde aktiv!" Andere Parteien schienen ihm keine Alternative zu sein. "Union und SPD wissen nicht, was innerparteiliche Demokratie ist, die Biometrie im Personalausweis haben wir den Grünen zu verdanken."

Gegen Speichern von Daten, gegen Patente auf Lebewesen, Gene und Software, für Transparenz und freies Kopieren und Nutzen von digitalen Werken treten sie ein. Und sonst? Von Afghanistan, Atomausstieg, Umwelt, Gesundheitspolitik keine Spur, von der Bildung erfährt man immerhin, dass sie kostenlos sein soll.

"Wir haben nicht so viele Programmpunkte", sagt Urbat, "das muss sich entwickeln, unser zentrales Anliegen sind die Bürgerrechte." 7800 Mitglieder hat die Partei momentan bundesweit, 1000 im Land, 0,9 Prozent hat sie bei der Europawahl gewonnen. Kämpfen ihre Wähler wirklich für mehr Privatheit im Internet, gegen das Sperren von Seiten? Oder geht's vor allem um die Freiheit, Musik und Filme kostenlos herunterzuladen? "Das ist auch ein Antrieb", sagt Urbat, man müsse sich den Realitäten stellen und ein neues Urheberrecht entwickeln. Wie das aussehen könne, "da haben auch wir noch kein Patentrezept gefunden".

Drei Prozent bei der Wahl streben sie an, "damit wir im Fernsehen einen eigenen Balken bekommen". Dass damit eine Koalition aus CDU und FDP wahrscheinlicher wäre, "wäre bedauerlich, aber wir kämpfen für uns". Konkurrenten und Wähler sollen am 27. September sehen: Die Piratenpartei gibt es wirklich und leibhaftig.
 

Frank Rothfuss

16.09.2009 - aktualisiert: 16.09.2009 11:00 Uhr

 



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