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Wahlkreise Stuttgart I und II

Große Zitterpartie für CDU, SPD und die Grünen

Foto: dpa

Stuttgart - Die beiden altbekannten Volksparteien schwächeln - auch in Stuttgart. Weder die CDU noch die SPD kann sicher sein, am 27.September auch nur eines der beiden Direktmandate gewinnen zu können, die zu vergeben sind. Die Grünen stehen ebenfalls vor einer Zitterpartie.

Der Wahlkampf lässt zwar auch in der Landeshauptstadt einen packenden Schlagabtausch vermissen. Dennoch baut sich Spannung auf. Das liegt daran, dass in keinem der beiden Wahlkreise der Gewinner oder die Gewinnerin des Direktmandats sicher vorauszusagen wäre - und dass im Süd-Wahlkreis nach der Gemeinderats- und der Europawahl auch ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU- und Grünen-Kandidaten denkbar erscheint.

Stefan Kaufmann (CDU) gibt sich gelassen und glaubt, das Mandat in diesem Wahlkreis mit durchweg erstmals antretenden Kandidaten sicher zu haben. Cem Özdemir, Chef der Grünen im Bund, ist sich darüber im Klaren, dass er beim Erststimmenanteil - gemessen am sowieso sehr großen Zuspruch für die Grünen am 7.Juni - noch eine Schippe drauflegen muss. Denn bei der Bundestagswahl herrschen andere Gesetze.

Kaufmann und Özdemir sind auf keiner Liste abgesichert. Entsprechend gereizt geht es hinter den Kulissen zu. Die Grünen schwören, dass kürzlich sogar die CDU-Ministerpräsidenten Günther Oettinger und Jürgen Rüttgers eingriffen, um zu verhindern, dass der NRW-Sozialminister Armin Laschet (CDU) Özdemir durch die Teilnahme an einem Streitgespräch aufwertet. Der Minister sei wirklich krank gewesen, erklärt Laschets Pressestelle. Er werde in Aachen so eine Veranstaltung auch noch wahrnehmen. Freilich: Dort haben dazu nicht die Grünen geladen, und dort gibt es auch keine Gefechtslage wie in Stuttgart I.

Knapp ging es hier auch schon 2005 zu. Damals konnte sich Jo Krummacher (CDU), der inzwischen gestorbene Pfarrer, das Direktmandat mit 850 Stimmen Vorsprung sichern. Sein schärfster Rivale war der unbekannte SPD-Kandidat Martin Körner. Der Bekanntheitsgrad seiner Nachfolgerin, der SPD-Landesvorsitzenden Ute Vogt, ist höher. Im Gegensatz zu Kaufmann und Özdemir ist sie aber auf der Parteiliste abgesichert. Es könnte passieren, dass zahlreiche SPD- und FDP-nahe Wähler taktisch für Özdemir und Kaufmann stimmen.

2005, hat das Statistische Amt der Stadt herausgefunden, splittete gut ein Viertel aller Stuttgarter die Stimmen. Dass manche Kandidaten das Ergebnis ihrer Partei deutlich übertreffen können, zeigte in Stuttgart die Bundestagswahl 2002. Damals trat im Süd-Wahlkreis der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker an - und erstmals lag ein SPD-Kandidat in diesem Wahlkreis vor dem CDU-Bewerber.

Etwas im Schatten des Ringens im Stuttgarter Süden steht der Nord-Wahlkreis. Aber auch hier könnte es spannend werden, wenngleich mit der CDU-Kandidatin Karin Maag nur eine Hauptperson ohne Listenabsicherung agiert. Ute Kumpf (SPD) ist in dem Wahlkreis mit vier Kandidatinnen die Favoritin. Dreimal bereits hat sie das Direktmandat erobert, 2004 Wolfgang Schuster (CDU) bei der OB-Wahl herausgefordert und sich nicht schlecht geschlagen. In dem Wahlkreis mit Stuttgarts Industrierevieren lag sie 2005 zwar noch um 3227 Stimmen vor ihrer damaligen CDU-Rivalin Angela Schmid. Das Polster könnte aber kleiner werden.

Ihr früherer Genosse Ulrich Maurer holte 2005 mit der Linkspartei 4,7 Prozent der Erststimmen. Mit Rückenwind aus Berlin, Saarbrücken und Erfurt könnten Maurer und die Linke für Kumpf diesmal gefährlicher werden. Da trifft es sich gut, dass Kumpf auf der Parteiliste abgesichert ist - wie Birgitt Bender von den Grünen, die im Nord-Wahlkreis auf Platz3 bleiben dürften.
 

Josef Schunder

16.09.2009 - aktualisiert: 16.09.2009 11:06 Uhr

 



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