Ansbach - Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden hat erneut ein Angriff eines Schülers für Entsetzen gesorgt. Bei dem Anschlag eines 18-jährigen Abiturienten im bayerischen Ansbach wurde am Donnerstag niemand getötet, aber acht Schüler und ein Lehrer wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.
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Elf Minuten nach dem Notruf war der Albtraum vorbei. Mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole haben Polizisten am Donnerstag im mittelfränkischen Ansbach den Schüler gestoppt, der in seinem eigenen Gymnasium Angst und Schrecken verbreitet hatte. Sieben Mitschüler und ein Lehrer wurden Opfer der brutalen Molotow-Cocktail-Attacke, eine Elftklässlerin verletzte der Amokläufer mit Axthieben schwer. Andere Schüler flohen in Panik aus dem Gebäude, nachdem sie sich zuvor in ihren Klassenräumen vor dem Gewalttäter verbarrikadiert hatten.
Was den Schüler der 13. Klasse umtrieb, als er am Donnerstagfrüh – dem dritten Schultag nach den Sommerferien in Bayern – mit drei Molotow-Cocktails, zwei Messern und einer Axt im Gymnasium Carolinum in die Zimmer einer 11. und einer 9. Klasse stürmte und je einen Brandsatz zündete, blieb zunächst im Dunkeln. Der Jugendliche war nach seinen schweren Verletzungen und einer Operation nicht vernehmungsfähig. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes.
Über den sozialen Status des Amokläufers gibt es unterschiedliche Angaben. Einige Mitschüler berichteten, der junge Mann sei kein Außenseiter oder ausgegrenzter Sonderling gewesen. Immerhin sei er Mitglied der Theatergruppe, sagte ein ehemaliger Schüler. Ein Zehntklässler beschrieb den Amokläufer dagegen gegenüber dem Radiosender Antenne Bayern als Einzelgänger: „Er ist in der Klasse alleine gesessen“, sagte er.
Auch wenn der genaue Ablauf des Amoklaufs am Donnerstag noch nicht restlos geklärt war, als sicher gilt: Die besonnene Reaktion mehrerer Schüler hat Schlimmeres verhindert. Nach der Attacke rannten zwei Schüler ins Direktorat und informierten die Schulleitung, die umgehend die Polizei alarmierte. Diese rückte mit einem Großaufgebot an, zahlreiche Mannschaftswagen rasten zum Einsatzort.
Ein Schüler aus der 13. Klasse setzte nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) ebenfalls sofort einen Notruf ab, als er verdächtigen Lärm in dem Schulkomplex vernahm. Anschließend lief er in das entsprechende Stockwerk und löschte die brennenden Möbel. Dabei profitierte der junge Mann offensichtlich von seiner Erfahrung als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr.
Nur elf Minuten später überwältigten Einsatzkräfte den Täter in der Schultoilette. Weil er sich nicht sofort ergab, sondern auf die Besatzung eines Streifenwagens zuging, eröffneten die Beamtin und ihr Kollege das Feuer. „Es gelang mit dem schnellen Einsatz, eine schlimmere Eskalation zu verhindern“, lobte Herrmann die Polizisten. Der verletzte Amokläufer wurde später in einem Krankenhaus operiert. Der Innenminister bezeichnete seinen Zustand als kritisch. Der junge Mann war laut Polizei noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Am Carolinum wurde der Unterricht für den heutigen Tag abgesagt. Die Schüler sollen jedoch Gelegenheit erhalten, mit Fachleuten über das Erlebte zu sprechen. Die thüringische Landesregierung und Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU) boten nach ihren Erfahrungen mit den Amokläufen in Erfurt und Winnenden ihre Hilfe an. „Die Länder müssen sich in solch schwierigen Situationen gegenseitig helfen“, sagte Rau. Die Stadt Ansbach richtete zudem ein Seelsorgetelefon ein.
Obwohl die Polizei von einem Einzeltäter ausging, durchsuchten Beamte das geräumte Gebäude. Die verletzten Schüler wurden zunächst in der Turnhalle untergebracht. Seelsorger und Psychologen betreuten in der nahen Arbeitsagentur auch die übrigen Kinder und Jugendlichen.
Derweil kritisierten Schülerinnen im lokalen Hörfunksender Radio 8, das Gymnasium verfüge nicht wie andere Schulen über einen speziellen Amok-Alarm. „Wir haben nicht mal eine Sprechanlage, nur so ein Feueralarmteil, diese Glocke“, sagte ein Mädchen. Eine andere Schülerin ergänzte: „Wir waren total ahnungslos.“
Innenminister Herrmann verteidigte hingegen das Auslösen des Feueralarms, auch wenn die Schüler dadurch ins Freie geholt wurden, statt sich in ihren Klassenräumen zu verbarrikadieren.
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