Artikel aus Blick vom Fernsehturm vom 18.09.2009

 

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Die Stadt will einen Bücherbus abschaffen

Filder. Kulturreferat könnte damit 190000 Euro einsparen. Ob Filder-Haltestellen gestrichen werden, ist offen. Von Rüdiger Ott
 

Fritz Frank-Oberaspach ist beunruhigt. Von einer Bekannten hat der Mann aus dem Asemwald gehört, dass der Bücherbus der Stadt Stuttgart vielleicht schon bald nicht mehr vor den Hochhäusern halten wird. "Das hier ist ein Stadtteil mit vielen älteren Menschen, und natürlich wären wir darüber nicht erfreut", sagt der Mann, der die Seniorennachmittage in der Wohnanlage organisiert. Das Quartier hat keine eigene Bücherei, weshalb der Bus jeweils dienstags von 17.30 bis 18 Uhr an der Haltestelle an der Ohnholdstraße einen Stopp einlegt.



Frank-Oberaspachs Sorge ist nicht unberechtigt. Denn die Stadtverwaltung hat in diesen Tagen vorgeschlagen, einen der beiden Busse stillzulegen. Der Stadtkämmerer Michael Föll ist auf der Suche nach Wegen, um jedes Jahr 75 Millionen Euro einzusparen. Das Kulturreferat soll fünf Millionen dazu beisteuern. Und allein die Stadtbücherei, die die Busse betreibt, hat davon eine Million zu schultern. Jährlich werden in den Bücherbussen rund 280 000 Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften ausgeliehen.



"Die Hälfte der Haltestellen könnte wegfallen", sagt Birgit Weinmann, die Leiterin der Fahrbücherei, "das ist zwar noch nicht beschlossen, aber wir gehen davon aus, dass das so kommen wird". Die Bücherei auf Rädern hält an insgesamt 23 Stellen in Stuttgart. Sechs der Haltestellen sind im Verbreitungsgebiet des BLICK VOM FERNSEHTURM - vor den Hochhäusern des Asemwald, in Birkach an der Grüninger Straße, in Heumaden an der Bildäckerstraße, in Sillenbuch an der Silberwaldstraße und in Riedenberg vor dem Geschwister-Scholl-Gymnasium sowie vor dem Wohnstift Augustinum. Welche Haltestellen dem Rotstift zum Opfer fallen könnten, kann Weinmann noch nicht sagen. "Damit befassen wir uns erst, wenn es soweit ist", sagt sie.



Mehr noch: "Wir werden unsere Unterstützung für Schulen und Kindergärten in ganz Stuttgart einstellen müssen", sagt Weinmann. Regelmäßig halten die Busse unter anderem an den staatlichen Grundschulen in Birkach, Heumaden und Sillenbuch sowie an der deutsch-französischen Grundschule Sillenbuch. Zudem stellt die Fahrbücherei sogenannte Medienpakete zur Verfügung, die Schulen je nach Unterrichtsschwerpunkt bestellen können.



"Das ist erst einmal ein Vorschlag der Verwaltung", sagt Oliver Willikonsky, der persönliche Referent der Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann, und ergänzt: "Die Versorgung soll jedoch erhalten bleiben." So sei es durchaus möglich, dass die Busse die Haltestellen nicht mehr alle sieben Tage anfahren. Stattdessen könnten sie in einen Zwei-Wochen-Rhythmus wechseln. Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass die Fahrzeuge die Verweildauer vor Ort verkürzen. "Mit einer vernünftigen Routenplanung müsste man das hinbekommen", sagt er. Wenn eines der beiden Max und Moritz genannten Fahrzeuge nicht mehr eingesetzt wird, entlastet das laut Willikonsky den Stadthaushalt jedes Jahr voraussichtlich um 190 000 Euro.



Die Entscheidung darüber, ob an den Bücherbussen tatsächlich gespart wird, wird der Gemeinderat fällen. Die Fraktionen haben am Mittwoch die noch nicht offiziellen Sparlisten aus den Referaten erhalten. Am 8. Oktober wird der Stadtkämmerer den Entwurf für den nächsten Doppelhaushalt einbringen. Zwei Monate lang werden die Stadträte darüber diskutieren. Am 18. Dezember wird der Etat verabschiedet.



Zumindest Werner Wölfle, der Vorsitzende der Grünen, ist sicher, dass die Sparmaßnahme Bücherbus in dem endgültigen Papier fehlen wird. "Dass wir sparen müssen, ist klar", sagt er, "grundsätzlich will ich deshalb nicht sagen, was geht und was nicht. Aber es muss auch Sinn machen. Für Benachteiligte darf das nicht kontraproduktiv sein". Die Busse würden ja gerade dorthin fahren, wo eine Bücherei fehlt.



Wölfles Kollegen von CDU und SPD sind zurückhaltender. "Der neue Haushalt wird vollkommen anders sein als die, die wir bisher gewohnt sind", sagt die Sozialdemokratin Roswitha Blind. Man müsse zwar darauf achten, dass nicht relativ günstige, dafür aber wertvolle Angebote gestrichen werden. Doch müsse erst jeder einzelne Punkt diskutiert werden. "Ich würde gerne sagen, bei den Bücherbussen wird es keine Veränderung geben, aber das kann ich nicht", sagt sie. "Ich weiß, wie wichtig die Bücherbusse sind", sagt der Christdemokrat Fred-Jürgen Stradinger. "Wir haben diesen Punkt in der Fraktion aber noch nicht diskutiert."


 

18.09.2009 - aktualisiert: 18.09.2009 06:00 Uhr