Bürokomplex kostet 65 Millionen Euro und bietet Platz für 670 Mitarbeiter - Anwohner fürchten weitere Verschlechterung der Luft
Stuttgart - In aller Stille und ganz ohne öffentlichkeitswirksamen Spatenstich hat an der Willy-Brandt-Straße der Bau des neuen Innenministeriums begonnen. In dem Gebäude sollen 670 Beschäftigte der Landesministerien arbeiten. Die Baukosten sind mit 65 Millionen Euro veranschlagt.
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Bis Ende 2011 soll der Neubau auf dem 1,3 Hektar großen Areal zwischen Neckartor, Wulle-Steg und Mittlerem Schlossgarten fertiggestellt sein. Der Neubau stelle den ersten Schritt für die Konzentration der Ministeriumsstandorte dar, sagte Finanzminister Willi Stächele. Das Land will die bisher auf mehr als 20 Standorte verteilten Ministerien mit ihren 3300 Beschäftigten auf künftig fünf Standorte konzentrieren.
Den Großteil der auf sechs Stockwerke und 25000 Quadratmeter Fläche verteilten Büros wird das Innenministerium belegen, das dafür im Gegenzug das ehemalige Hotel Silber am Karlsplatz räumt und damit dort den Weg frei macht für das sogenannte Da-Vinci-Projekt. Die Lagezentren der Landesregierung und des Katastrophenschutzes für Krisenfälle sind ebenfalls Bestandteil des Ministeriumsneubaus. Im Untergeschoss ist eine Tiefgarage mit etwa 90 Stellplätzen vorgesehen, im Erdgeschoss entsteht ein Kindergarten. Auch Teile des Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums sollen in dem Bürokomplex unterkommen. Die Pläne für den gut 65 Millionen Euro teuren Bau stammen von dem Berliner Architekten Volker Staab.
Die Dimension des 200 Meter langen Gebäudes wurde sowohl vom Bezirksbeirat als auch vom Gemeinderat und von der Stadtverwaltung teils heftig kritisiert. Anwohner am Neckartor fürchten durch den massigen Gebäuderiegel eine weitere Verschlechterung der Luft in dem ohnehin schon stark von Schadstoffen belasteten Gebiet. "Die Suppe wird noch dicker", sagt der Rechtsanwalt Roland Kugler, der bereits erfolgreich Klage gegen das Regierungspräsidium geführt hat, weil dieses seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, wirksame Maßnahmen gegen die hohe Feinstaubbelastung zu ergreifen. "Durch den sechsstöckigen Bau entsteht eine Straßenschlucht, durch die noch mehr schadstoffbelastete Luft vom Wulle-Steg in Richtung Neckartor geblasen wird", sagt Kugler. Ferner werde die Frischluftzufuhr vom Schlossgarten unterbrochen.
Steffen Rometsch
21.09.2009 - aktualisiert: 22.09.2009 12:10 Uhr
Lesermeinungen
24.09.2009 15:31
Autor: Alois Munding
Habe ich richtig gelesen?
Ca.670 Beschäftigte sollen einmal dort arbeiten. Hat sich denn schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie die Leute zur Arbeit und wieder nach Hause kommen sollen?
Ich kann mir nicht vorstellen, daß von diesen 670 Leuten nur 90 mit dem PKW anreisen möchten - nur so wenige Stellpätze soll die geplante Tiefgarage bieten, wovon dann ja wohl auch einige für Dienstfahrzeuge reserviert sein werden.
Das Chaos ist ja jetzt schon groß genug, wenn man mal beobachtet, wie am ganz in der Nähe liegenden Kernerplatz die Autos mehrmals kreisen, um einen Parkplatz zu finden.
Mir drängt sich der Verdacht auf, man will die Beschäftigten auf diese Weise zum Umsteigen auf den ÖPNV drängen - Umweltministerium läßt grüßen.
23.09.2009 09:36
Autor: SEPP
Mann sehen die Modelle sch**** aus! Ist das auch so eine "Chance zur Stadterweiterung", wie die A-sonstwas Areale bei S21? Dann sind mir die Gleise auch architektonisch lieber.
Aber wenn man schon den Denkmalschutz dem Wirtschaftsministerium untestellt...
22.09.2009 17:08
Autor: G.Rehm
Freut euch: denn genau so wird es bei Verwirklichnung von S21 300 m weiter nördlich aussehen, bloß noch gigantischer - schaut euch mal Schusters Lieblingsmodell im Rathaus an.