Artikel aus der Filder Zeitung vom 22.09.2009

 

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"In den 5,5 Millionen Euro ist kein Luxus drin"

Vaihingen. Der Zahn der Zeit hat am Hegel-Gymnasium seine Spuren hinterlassen. Eine Sanierung wird richtig teuer. Von Kai Müller
 

Die Mängelliste ist lang. Das wird bei einem Rundgang mit Schulleiterin Barbara Graf sehr schnell klar: In einem Duschraum der alten Turnhalle, die auch Vereine nutzen, bedeckt der Schimmel einen großen Teil der Decke, auch entlang einer Tür finden sich ähnliche Spuren, ganz zu schweigen vom Keller. "Es muffelt", sagt Hausmeister Peter Frohreich. Bei jedem Regenguss dringt Wasser in den Keller unter der Hausmeisterwohnung und in den Nordbau des Gymnasiums. "Man kann nichts hinstellen, alles ist sofort mit Schimmel belegt", sagt Frohreich. Schon länger sei zudem bekannt, dass eine Abwasserleitung gebrochen ist.



Doch das sind nicht die einzigen Baustellen an der Schule. In den Physik- und den Naturwissenschaftsräumen unterrichten Lehrer im Winter auch schon mal im Mantel. "Die Räume bekommt man nicht wärmer als 18 Grad", erklärt Graf. Lehrer Herbert Brüser weiß, dass es an kalten Tagen in der ersten Unterrichtsstunde nur zwölf bis 14 Grad sind: "Wir heizen selber den Raum auf." Die Belüftungselemente lassen sich nicht richtig schließen, eine Dämmung sucht man vergebens, die Wände bestehen lediglich aus einer Betonplatte. Auch das Dach ist nicht dicht. Davon kündet ein Wasserfleck an der Decke.



Dem Schulverwaltungsamt sind die Mängel bekannt und auch die Höhe der Sanierungskosten: 5,5 Millionen Euro hat ein Ingenieurbüro ermittelt. Der Großteil ist für neue Fenster und ein neues Dach gedacht. "Das Haus ist seit dem Jahr 1956 nie grundsaniert worden", sagt Graf. Für Hermann Veeser, Umweltbeauftragter der Schule, lohnt eine Wärmedämmung auf lange Sicht: "Das Geld holt man wieder rein." Zugleich verweist er darauf, dass das Hegel in der jüngsten Vergangenheit viel unternommen habe, um Energie zu sparen: "Da haben wir die 5,5 Millionen Euro eigentlich schon eingespart."



Die Eltern haben bei der Dämmung immer wieder selbst Hand angelegt. Das könne kein Argument gegen eine nötige Sanierung sein, sagt Graf. Ein Verzicht wäre im Gegenteil eine "traurige Botschaft an Schüler, Eltern und Lehrer", die sich über Gebühr engagiert hätten. Man wolle nicht mehr haben, als andere Schulen. Gleichwohl kündigt Graf an, nach einer Sanierung gern der Öffentlichkeit zeigen zu wollen, was in Sachen Klimaschutz an einer Schule möglich ist. Ein Dorn im Auge ist der Rektorin auch, dass der Innenhof seit zwei Jahren nicht mehr genutzt werden kann: "Er ist ein Herzstück der Schule, aber aus Sicherheitsgründen geschlossen." Während des Baus der neuen Aula und Cafeteria standen dort Baumaschinen und Material. "Es ist eigentlich eine grüne Oase", sagt Hans-Jürgen Pander, Vorsitzender des Fördervereins "Schulfamilie". Es sei wirklich schade, dass diese nicht mehr genutzt werden könne.



Das Garten, Friedhofs- und Forstamt hat bereits dem "Hegelhof" ein neues Gesicht verliehen - allerdings nur auf dem Papier. Der Platz, so sieht es ein Konzept vor, soll eine Ort der Ruhe sein, aber auch so gepflastert werden, dass er für Schulveranstaltungen in Frage kommt. Die Verwaltung beziffert die Kosten für die Umgestaltung auf 150 000 Euro. "Es sind da keinerlei neue Pflanzungen enthalten", ergänzt Graf. Sie hofft nun auf die Unterstützung der Stadträte, damit die Wünsche der Schule im nächsten Doppelhaushalt Beachtung finden. Die Sanierung sei nötig, um den Schulbetrieb aufrecht erhalten zu können, macht die Schulleiterin deutlich. In den 5,5 Millionen Euro sei "kein Luxus drin". So fehlten in der Aufzählung etwa die Klassenzimmer, die seit Jahrzehnten keinen Maler mehr gesehen haben.
 

22.09.2009 - aktualisiert: 22.09.2009 06:00 Uhr

 

 



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