Artikel aus der Filder Zeitung vom 22.09.2009

 

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Zwei Jahre Bewährungszeit fürs Krematorium?

Leinfelden. OB Klenk will dem städtischen Betrieb eine Chance geben. Von Norbert J. Leven
 

Seitdem wegen der Banken- und Wirtschaftskrise in Leinfelden-Echterdingen die Steuereinnahmen auf breiter Front wegbrechen, steht als eine von vielen möglichen Sparmaßnahmen die Schließung des Krematoriums auf dem Waldfriedhof in Leinfelden im Raum. Nun scheint sich das Blatt zu wenden - nicht für die Finanzlage, aber für das Krematorium. Dessen Betrieb, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk auf Anfrage der Filder-Zeitung, möchte er für weitere zwei Jahre aufrecht erhalten.



Hintergrund für diese Bewährungsfrist sind Zahlen, die der Stadtverwaltung jetzt offenbar vorliegen. "Das Krematorium erwirtschaftet seine Betriebs- und Personalkosten", sagt Klenk zur derzeitigen Situation. Die Einnahmen decken laut Klenk jedoch die Gebäudeabschreibungen und die regelmäßigen Investitionen nicht ab. Beispielsweise fallen 2011 etwa eine Viertelmillion Euro Kosten zur Sanierung an.



2007 verzeichnete die Statistik noch 365 Einäscherungen in Leinfelden, im Folgejahr waren es nur noch 290. Das laufende Jahr bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Einige Bestattungsunternehmen lassen inzwischen vermehrt Kremationen bei privaten Anbietern, etwa in Rutesheim vornehmen, wofür sie finanzielle Aufwandsentschädigungen erhalten.



Der Verwaltungschef will nun der Strategiekommission, die sich in diesem Herbst intensiv mit allen Facetten des Themas Haushaltssanierung beschäftigen muss, nicht mehr die Schließung vorschlagen, sondern eine um zwei Jahre verlängerte Nutzungszeit des Krematoriums. Mit der Verlängerung der Betriebszeit verbinde er allerdings den Auftrag an die zuständige Abteilung im Rathaus, "die Wirtschaftlichkeit der Anlage zu erhöhen", sagt Klenk im Gespräch mit der Filder-Zeitung.



Seit Ende Juni dieses Jahres steht eine Fortführung der Einäscherungsanlage auf dem Waldfriedhof im Fokus der Öffentlichkeit. Seinerzeit hatte Klenk angekündigt, wegen der angespannten Finanzlage den Betrieb ebenso auf den Prüfstand zu stellen wie andere öffentliche Einrichtungen. Das hatte ein breites Echo in der Bevölkerung und heftige Diskussionen ausgelöst (die Filder-Zeitung berichtete). Bis zum Beginn der Sommerferien hatte der Verein zur Förderung für Bestattungs- und Trauerkultur (VBT) bereits 500 Unterschriften zum Erhalt des Krematoriums gesammelt und dem Oberbürgermeister vorgelegt. Zuletzt hatte eine Gruppe von vier Bestattern in der Filder-Zeitung erklärt, sie würden "auch künftig alles dafür tun, dass die stark rückläufige Zahl an Kremationen in Leinfelden weiter sinkt".



Die Diskussion über die Bestatter, die auch schwere Anschuldigungen gegen den von einer Kollegin geführten Verein VBT erhoben hatten, will der Oberbürgermeister von der eigentlichen Debatte über die Wirtschaftlichkeit des Krematoriums trennen. "Ich habe Bürgermeister Ludwig gebeten, dass er sich mit der notwendigen Akribie und Engagement der Aufarbeitung der Angelegenheit widmet. Das ist mir sehr wichtig", sagt Klenk.



Der OB stellt sich allerdings vor die Mitarbeiter. Er gehe davon aus, dass es im Rathaus keine Unregelmäßigkeiten gegeben hat, sagt Klenk. "Anderes würde ja ein schlechtes Licht auf das Handeln der Verwaltung werfen."
 

22.09.2009 - aktualisiert: 22.09.2009 06:00 Uhr

 

 



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