Stuttgart - Die FDP und die Grünen sind die Gewinner der Bundestagswahl in Stuttgart. Sie verbesserten sich deutlich. Die eigentliche Siegerin aber ist die CDU. Trotz Verlusten ging sie diesmal klar als stärkste politische Kraft durchs Ziel und errang die beiden Direktmandate. Eine desaströse Schwäche der SPD ermöglichte es.
Die Ergebnisse, die Sitzverteilung und weitere Infos in unserem Wahl-Special
Der mit Spannung erwartete Kampf um die Direktmandate ging in beiden Wahlkreisen zugunsten der CDU-Kandidaten aus, obwohl Stefan Kaufmann und Karin Maag als bundespolitische Neulinge in den Wahlkampf gestartet waren. Im Stuttgarter Süd-Wahlkreis verfehlte der Grünen-Kandidat Cem Özdemir zwar sein ehrgeizigstes Wahlziel und wird nun nicht im Bundestag sitzen. Allerdings etablierte er sich mit 4,5 Prozentpunkten oder 6400 Stimmen Rückstand auf Kaufmann klar als Nummer zwei vor der SPD-Kandidatin Ute Vogt. Der dritte Platz der SPD-Landesvorsitzenden markiert somit einen Wachwechsel zwischen den Grünen und der SPD. 2005 hatte sich der weithin unbekannte SPD-Kandidat Martin Körner nur knapp dem damaligen CDU-Bewerber Jo Krummacher geschlagen geben müssen. Vogt verlor auf Körners Erststimmen-Ergebnis 20,6 Prozentpunkte.
Bilder durchklickenÜberraschender als der Mandatserfolg von Kaufmann war noch, dass Maag auf Anhieb den Versuch ihrer SPD-Konkurrentin Ute Kumpf vereiteln konnte, zum vierten Mal in Folge das Direktmandat im Nord-Wahlkreis zu erringen. Nach der Auszählung lag Maag mit 8,4 Prozentpunkten oder 10477 Stimmen vorne. Kumpf, die es 2005 mit der CDU-Konkurrentin Angela Schmid zu tun gehabt hatte, verlor am Sonntag 15,8 Prozentpunkte. Sie führte dieses enttäuschende Resultat auf den Bundestrend zurück. Vor allem aber auch darauf, dass ihr von der Wählerschaft der Grünen und der Linken diesmal wenig Erststimmen durch Stimmensplitting zufielen.
Tatsächlich hat die Grünen-Kandidatin Birgitt Bender ihr Ergebnis von 6,6 Prozent im Jahr 2005 um 10,2 Prozentpunkte steigern können - dabei hatte sie keinen ausgesprochenen Erststimmen-Wahlkampf geführt. "Sie hat aber auch nicht offensiv zu meiner Wahl aufgefordert", erklärte Kumpf gegenüber unserer Zeitung.
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Bender wertete ihr Ergebnis erfreut als Signal der Anerkennung für ihre politische Arbeit. Ähnlich zufrieden zeigten sich die FDP-Bewerber Michael Conz (Süd-Wahlkreis) und Marion Carola Heß (Nord-Wahlkreis), die erstmals bei einer Bundestagswahl antraten. Mit Rückenwind aus Berlin eroberte Heß im Vergleich zum Vorgänger Albert Cuntze 6,2 Prozentpunkte dazu. Bei der Linken war der Zugewinn an Erststimmen für Ulrich Maurer von 3,9 Punkten auf 8,6 Prozent das höchste der Gefühle.
Nach dem Ergebnis der Zweitstimmen für die Parteien in der Gesamtstadt Stuttgart herrschen seit Sonntag wieder klarere Verhältnisse. War die CDU im Jahr 2005 nur um 0,7 Prozentpunkte vor der SPD gelegen und hatte sie sich mit der SPD noch die beiden Direktmandate teilen müssen, sind die Christdemokraten jetzt wieder klar die Nummereins, obwohl sie 4,2 Prozentpunkte einbüßten. Bei den 71264 der insgesamt 271755 Wählern, die sich für Briefwahl entschieden, schnitt die CDU wie die FDP überproportional gut ab, die SPD schlechter. Wenn man die örtlichen CDU-Ergebnisse nehme und dann noch bedenke, dass in Berlin eine schwarz-gelbe Koalition regieren kann, "haben wir alle unsere Wahlziele erreicht", sagte Thomas Bopp, "Vize" der Kreispartei.