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Brennstoffzellen

Flug in die Zukunft der Luftfahrt

Die Antares soll wegweisend für die künftige Technologie großer Passagiermaschinen sein
Foto: Piechowski

Stuttgart - Nur der bewölkte Himmel hat am Mittwoch dem Flug in die Zukunft Grenzen gesetzt. Den angestrebten Höhenrekord konnte der Motorsegler Antares wetterbedingt nicht angehen. Abgehoben hat das nur durch Brennstoffzellen angetriebene Stuttgarter Flugzeug trotzdem. Es soll die Luftfahrt revolutionieren.

Nur ein leises Brummen ist zu hören. Dann hebt der gut sieben Meter lange Motorsegler Antares DLR-H2 ab und kreist über dem Stuttgarter Flughafen. Applaus brandet auf am Rande der Rollbahn. Unter den rund 150 Gästen, darunter Ministerpräsident Günther Oettinger, macht das geflügelte Wort vom "historischen Moment" die Runde.

Was am Mittwochmorgen in Stuttgart kurz nach dem Jungfernflug in Hamburg abhebt, ist kein gewöhnliches Flugzeug. Die Antares ist die erste pilotengesteuerte Maschine der Welt, die ausschließlich mit Brennstoffzellenantrieb starten, fliegen und landen kann. Der dafür notwendige Wasserstoff befindet sich in zwei Tanks unterhalb der Tragflächen. Daraus wird Strom gewonnen, der über einen Elektromotor einen Propeller antreibt. Entwickelt worden ist das Flugzeug vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Federführend dabei ist das Stuttgarter DLR-Institut für Technische Thermodynamik.

Noch vor einem Jahr hing der Motorsegler als Ausstellungsstück im Terminal 1 des Flughafens, jetzt zieht das Forschungsflugzeug bereits seine Runden am Himmel. Dass der angestrebte Rekordflug in eine Höhe von 2500 bis 3000 Meter wegen der dichten Wolkendecke nicht klappt, spielt nur am Rande eine Rolle. Wichtiger ist für die Beteiligten, dass das Forschungsflugzeug überhaupt fliegt.

Wegweisend soll die Technologie in Zukunft sein. "Ich bin sicher, dass sie ein bedeutender Beitrag für Umweltfreundlichkeit, Geräuscharmut, Sicherheit und Kerosineinsparung sein wird", sagt Institutsdirektor Hans Müller-Steinhagen. Die Brennstoffzelle soll über kurz oder lang auch in Passagiermaschinen zum Einsatz kommen.

Allein damit können große Flugzeuge allerdings nicht angetrieben werden. Vielmehr soll die neue Technik das Hilfstriebwerk ersetzen. So können Dreck und Lärm vermieden werden. Das bei dem Prozess entstehende Wasser lässt sich zudem unterwegs verwenden, wodurch Wassertanks und Kerosin eingespart werden.

"Die Technik hat enormes Zukunftspotenzial", sagt Müller-Steinhagen und freut sich, dass sie inzwischen auch höchste Sicherheitsauflagen erfüllt. "Schließlich", so der Institutsdirektor, "sind die Ansprüche in der Luftfahrt höher als am Boden. Ein Flugzeug bleibt eben nicht stehen, sondern fällt herunter, wenn etwas nicht funktioniert." Der nächste große Schritt in der Entwicklung steht bereits bevor: In den nächsten zwei bis drei Jahren ist ein Transatlantikflug mit dem Nachfolgemodell geplant.

Bis dahin wird die Antares vorwiegend in Hamburg weiterentwickelt. Doch auch die Region Stuttgart soll von der wegweisenden Technologie profitieren. Oettinger hofft, "dass hier ein Standard entwickelt werden kann, der es bis zur Serienreife und Markteinführung schafft". Das Land wolle dazu gesetzliche und finanzielle Hilfe leisten. "In dieser Technik liegt auch Potenzial für Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Baden-Württemberg", so der Ministerpräsident.

Antares ist übrigens nach dem hellsten Stern im Sternbild Skorpion benannt. Das Projekt könnte nun auch am Wissenschafts-Firmament enorme Leuchtkraft entfalten.
 

Jürgen Bock

30.09.2009 - aktualisiert: 30.09.2009 16:09 Uhr

 



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