Stuttgart - Ein offenbar loser Schachtdeckel hat eine Stadtbahn im Stuttgarter Osten entgleisen lassen. Nun wird ermittelt, warum an manchen Steuerelementabdeckungen in der Fahrbahn die Schrauben locker sind oder gar fehlen.
Die etwa 50 Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon. Die Stadtbahn der Linie U15 ist am Dienstag um 20 Uhr bergwärts Richtung Fernsehturm unterwegs und hat nach einer langen Rechtskurve fast die Haltestelle Heidehofstraße erreicht, als die vordere Achse aus den Gleisen springt. Es rumpelt, aber verletzt wird niemand. Die Strecke ist bis 21.40 Uhr blockiert.
Die Feuerwehr rückt an, hebt die 60 Tonnen schwere Bahn mit Hydraulikhilfe wieder auf die Schienen. Bei der Suche nach der Ursache stößt die Polizei auf einen Schachtdeckel, der von dem gelben Zug mitgeschleift worden war. "Dieser Deckel war offenbar erhöht", sagt Susanne Schupp, Sprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), "und könnte den Zug aus den Schienen gehoben haben."
Unter einem solchen Deckel, 20 mal 60 Zentimeter groß, ist unter der Fahrbahndecke ein Steuerelement für die Signalanlage des Stadtbahn-Verkehrs untergebracht. Diese sogenannten Grubendeckel sind normalerweise mit sechs Schrauben in der Straße fixiert.
Doch der Normalfall gilt offenbar nicht für das Umfeld des Zugunfalls in der Gerok- und Wagenburgstraße . "An mehreren solchen Schachtdeckeln wurden lockere und fehlende Schrauben festgestellt", bestätigt Polizeisprecherin Stephanie Reh entsprechende Beobachtungen unmittelbar nach dem Unfall. Der Grund hierfür sei aber noch völlig unklar.
So ist weder eine falsche Montage ausgeschlossen noch die Möglichkeit, dass sich die Schrauben durch Erschütterungen langsam gelöst haben - verursacht durch den Bahn-, Auto- und Lkw-Verkehr. Es könnte aber auch sein, dass sich Unbekannte vorsätzlich an den Schrauben zu schaffen gemacht hatten.
Sollte sich eine technische Ursache bestätigen, dann hätten die Stuttgarter Straßenbahnen ein Problem - denn es gibt noch mehrere Schienenstrecken, die auf der Fahrbahn des Autoverkehrs verlaufen. Dort müssen die Steuerelemente in den Asphalt eingebaut werden, während sie auf eigenen Bahntrassen offen und unkompliziert am Streckenrand aufgestellt werden können.
Beispiele sind die Linien U1 und U14 in der Böblinger Straße im Stuttgarter Süden, die U2 beim Hölderlinplatz im Westen oder in der Schmidener Straße in Bad Cannstatt, aber auch die U13 in der Badstraße, ebenfalls Bad Cannstatt. Mögliche Schraubenmängel würden einen erhöhten Kontroll- und Wartungsaufwand erfordern.
Am Mittwoch überprüften Mitarbeiter der SSB vorsorglich die womöglich betroffenen Schachtdeckel im Schienennetz - hiervon gibt es etwa 50. "Sämtliche Deckel wurden begutachtet", stellt SSB-Sprecherin Schupp auf Nachfrage fest, "dabei gab es keine Auffälligkeiten." Über die Höhe des Schadens gibt es noch keine endgültigen Erkenntnisse.