Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 01.10.2009
Ludwigsburg Bilder eines Menschenmalers zeigt der Kunstverein zum Stadtjubiläum im Schloss. Von Kathrin Haasis
"Begegnung" heißt das großformatige, 1958 entstandene Ölgemälde, dem der Betrachter in dieser Ausstellung als erstes begegnet. Drei Menschen kauern am Boden, halten sich gegenseitig fest, blicken mit großen Augen erstaunt und doch gelassen auf ihre Umgebung. In verschlungenen Umarmungen stellt Walter Wörn zumeist seine Figuren dar, zu Knäuel sind ihre Gliedmaße verknotet, als könnte keiner ohne den anderen, weil der Mensch erst in der Menge ein Ganzes ergibt. Von den Körpern ist vor allem die Kontur zu sehen, sie erinnern an etwas aus der strengen Form geratene griechische Statuen. "Ich empfand den Menschen immer als schön und liebenswert", sagte Walter Wörn einst. Mit den Mitteln der bildenden Kunst wolle er ihn zu seiner eigenen Schönheit verführen.
Zurückhaltend ist seine Farbgebung auf den großflächigen Hartfaserplatten, bleich bleiben die Figuren, die sich aber zuweilen vor einem knallroten Hintergrund gruppieren. Dennoch vermitteln die Arbeiten eine positive Stimmung, zeigen einen offenen Menschen. In den Gemälden "Wochenende" und "Amerikanischer Fußball" widmet er sich Ende der 1950er Jahre dem neuen Freizeitverhalten, eine verschlungene Familie bildet er auf dem einen ab und völlig verkeilte Sportler auf dem anderen. Unter dem Titel "Kritische Zeitbetrachtung" malte er einen menschlichen Torso, über dem eine Dornenkrone schwebt, und stellte daneben eine Collage aus Artikeln und Fotos von Atombombenopfern, Soldaten und Fidel Castro, von blonden Stars, Sportwagen und Schmuck.
Die Nationalsozialisten konnten mit der leicht abstrakten Kunst von Walter Wörn nicht viel anfangen: "Kahnfahrer" hat er ein dunkles Bild von 1934 genannt, das unscharfe, verschwommene, nackte Männer zeigt, die dicht gedrängt in einem Boot stehen. Der Erfolg kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg, sogar im Metropolitan Museum von New York wurden seine Arbeiten gezeigt. Der Stuttgarter galt als "schwäbischer Fernand Léger", Anleihen von Picasso, Matisse und Baumeister finden sich bei ihm. Über drei Räume dehnt sich die Sonderausstellung im Schloss aus, die an einen Künstler erinnert, der eine ideale Vorstellung vom Menschen und vom Leben in seinem Werk darstellte .
Die Sonderausstellung "Walter Wörn" des Kunstvereins im Residenzschloss läuft bis Sonntag, 25. Oktober. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Zur Finissage am 25. Oktober bietet die Kunsthistorikerin Andrea Wolter-Abele um 11 Uhr eine Führung an.
01.10.2009 - aktualisiert: 01.10.2009 06:02 Uhr
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