Artikel aus der Filder Zeitung vom 06.10.2009
Filder. Frühestens im Jahr 2014 kann die verlängerte Schienenverbindung in Betrieb gehen. Von Norbert J. Leven
2014 bis zur Messe - das ist allerdings ein Datum, hinter dem altgediente Kommunalpolitiker noch ein dickes Fragezeichen sehen. Was diesen eng gesteckten Zeitrahmen aller Voraussicht nach strecken wird, ist die Finanzierung des neuen Bahnasts. Die Verträge darüber, wer was wann bezahlt, müssten noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden.
Ein ehrgeiziges Ziel. Zu ehrgeizig? "Dann müsste von jetzt an alles optimal laufen", sagt der Vorstandssprecher der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Reinhold Bauer. Allerdings haben die Gespräche über die Beteiligung der Stadt L.-E., des Kreises Esslingen, des Landes (und möglicher anderer Zahler) an den Investitions- und Betriebs-Folgekosten noch gar nicht begonnen. Die SSB und Stuttgart sieht Bauer nicht unter den Geldgebern. Finanzierungsverhandlungen und die etwa ein Jahr dauernde Planfeststellung könnten aber parallel laufen, meint Bauer, so dass ein Termin für die Fertigstellung im Jahr 2014 auch dann noch denkbar sei, wenn die Finanzierungsverträge erst Ende 2010 unterschrieben würden.
Dass im Jahr 2014 bereits die Signale auf Grün gestellt werden könnten, ist selbst für das Esslinger Landratsamt, das bei der Planung die Federführung hat, "nur ein Szenario", räumt Klaus Neckernuß, Leiter des für den Nahverkehr zuständigen Amts, ein. Bis Mitte des kommenden Jahres wolle man aber eine eine Finanzierungsvereinbarung zustande bringen.
Auf ein Startsignal für den Ausbau der Stadtbahn wartet auch die Flughafengesellschaft (FSG). Aber nicht deshalb, weil sie sich daran mit einer Finanzspritze beteiligen möchte. Das Thema ist für die FSG erledigt, seitdem sie sich für eine Unterstützung des Projekts Stuttgart 21 entschieden hat. Zur Zahlung von 359 Millionen Euro, daran erinnert Pressesprecher Volkmar Krämer, sei die FSG verpflichtet. "112 Millionen sind bereits geflossen." Und deshalb sei "die Grenze der finanziellen Belastbarkeit erreicht". Der Grund für das Warten auf den Stadtbahn-Projektstart ist also ein anderer: Damit Messe und Flughafen an die Stadtbahn angeschlossen werden können, muss die FSG zunächst einmal im wahren Wortsinn den Weg freimachen: Ihr derzeitiges Verwaltungsgebäude steht nämlich den Schienen im Weg. "Planspiele für ein neues Verwaltungsgebäude gibt es bereits", bestätigt Krämer. Aber eben noch keine konkrete Planung und schon gar keine Beschlüsse der Aufsichtsgremien. Die FSG müsste also die Planfeststellungsphase der Stadtbahn nutzen, um ihre eigene Planung zu erledigen und neu zu bauen. Wohin die Flughafenmitarbeiter umziehen werden, scheint hingegen bereits ziemlich sicher zu sein. Westlich des heutigen Standorts gebe es "einen Zwickel", auf dem sich der Neubau realisieren ließe, sagt Krämer. Die Messegesellschaft sieht im Anschluss an die Stadtbahn eine "interessante Bereicherung der Verkehrsanbindung", sagt Geschäftsführer Ulrich Kromer. Eine Stadtbahn mit zwei Haltestellen - am West- und am Osteingang - "wäre für uns die Ideallösung". Eine Mitfinanzierung schließt Kromer zwar nicht generell aus, verweist aber auf "unsere Gesellschafter, die diese Frage beantworten müssen".
06.10.2009 - aktualisiert: 06.10.2009 06:01 Uhr
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