Artikel aus der Filder Zeitung vom 06.10.2009

 

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"Nicht die üblichen Vorurteile bedienen"

Waldenbuch. Regierungspräsident Johannes Schmalzl frühstückt mit Pädagogen. Von Claudia Barner
 

In der ersten Stunde hätte Margot Sautter gestern eigentlich unterrichten müssen. Stattdessen stand eine Vertretung vor der Klasse. Die Lehrerin nahm derweil mit Kolleginnen und Kollegen des Kleinen Senats der Oskar-Schwenk-Schule im Gasthaus Rössle am gedeckten Frühstückstisch Platz. Die Stadt hatte zum Weltlehrertag geladen und die Gelegenheit für einen zwanglosen Austausch zwischen Schulleitung, Lehrern und Elternvertretern genutzt.



Seit 1994 gibt es den Weltlehrertag - in Waldenbuch jedoch war er bisher kein Thema. Der Mann, der das geändert hat, saß mit am Frühstückstisch. Der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl hatte die Kommunen dazu angeregt, den Tag mit Leben zu füllen. "Durch die Ereignisse von Winnenden und Wendlingen ist mir noch deutlicher bewusst geworden, was Lehrer leisten und welche Verantwortung sie tragen", betonte er.



Rund 45 000 Lehrer arbeiten im Amtsbereich des Behördenchefs. Für sie wünscht sich Johannes Schmalzl mehr Anerkennung und Wertschätzung. "Ich möchte, dass wir mit offenen Augen durch die Welt gehen und nicht die üblichen Vorurteile gegenüber dem Lehrerberuf bedienen", bekräftigte er in seinem Grußwort. Den Schulen würden aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen immer mehr Aufgaben aufgeladen. Gerade deshalb sei es wichtig, die Lehrer zu unterstützen. Nur wenn der Beruf attraktiv bleibe, könne es auch weiterhin gelingen, motivierte Pädagogen für diese Arbeit zu gewinnen.



Die Rektorin der Oskar-Schwenk-Schule, Kornelia Grafen, knüpfte daran an. Sie wies darauf hin, dass bei allen Veränderungen das Herzstück der schulischen Bildung stets erhalten bleibe: "Ohne engagierte Beziehungsarbeit zwischen Lehrenden und Lernenden geht es nicht." Die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, Kirsten Landenberger, sicherte die kontinuierliche Unterstützung der Eltern zu und äußerte die Hoffnung, dass gegenseitige Wertschätzung auch jenseits des Weltlehrertags den gemeinsamen Umgang prägen möge.



Margot Sautter, die die Statements bei einer Tasse Kaffee aufmerksam verfolgt hatte, freute sich über das Lob, blieb aber skeptisch. "Ich fühle mich ein wenig, wie am Muttertag - kurz im Mittelpunkt und dann läuft alles weiter wie zuvor." Geht es nach dem Willen des Regierungspräsidenten, muss sie sich darüber keine Gedanken mehr machen. "Der Weltlehrertag soll keine einmalige Aktion sein. Es geht darum, die Bedeutung des Lehrerberufs im Rahmen der bildungspolitischen Diskussionen grundsätzlich wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken."



In Sindelfingen, Kornwestheim, Heilbronn und Waldenburg war Johannes Schmalzl gestern noch zu Gast, um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Derweil war für Margot Sautter und ihre Kollegen die kleine Feier zum Weltlehrertag nach der ersten Stunde bereits beendet. Pünktlich um halb neun standen sie in der Oskar-Schwenk-Schule wieder vor ihren Klassen.
 

06.10.2009 - aktualisiert: 06.10.2009 06:01 Uhr

 

 



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