Artikel aus der Filder Zeitung vom 06.10.2009

 

Drucken

Das Trio wird über Nacht zum Quintett

Esslingen Die Sachsen bringen als Brautgabe zwei neue Partner mit. Von Thomas Schorradt
 

Die Dynamik, mit der sich die Kommunalverwaltung in Sachsen entwickelt, bringt den Landkreis Esslingen in Zugzwang. Hatten die Esslinger bisher schon einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit den Kreisen Leipzig und München gepflegt, so ist aus dem eingespielten Trio über Nacht ein Quintett geworden. Der ehemalige Muldental-Landkreis, der mit dem Landkreis Leipziger Land im Rahmen der sächsischen Verwaltungsreform im vergangenen Jahr zum neuen Kreis Leipzig vereint worden ist, hat als Brautgabe den Bodenseekreis und den polnischen Landkreis Kutno mitgebracht. "Da müssen wir uns erst einmal neu sortieren", sagt Matthias Berg, der die Esslinger Delegation anstelle des wegen der Landesbank-Turbulenzen verhinderten Landrats Heinz Eininger angeführt hat.



Das gilt nicht nur für die Esslinger Seite - auch die vier Partner brauchen Bedenkzeit. Nach den drei Tagen im Landkreis Leipzig, die weniger von inhaltlicher Diskussion bestimmt waren, als vielmehr dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Gedenken an die friedliche Revolution von 1989 gedient hatten, ist die Fünferrunde auseinander gegangen, ohne einen Folgetermin zu vereinbaren."Wir werden im Ältestenrat des Kreistags beraten, wie wir weiter verfahren sollen", sagt Berg. Einerseits sei ein Fünfer-Treffen mit einem hohen Aufwand verbunden, andererseits habe der Kreis Esslingen kein Interesse, seinen Leipziger Partner zwischen den Freundschaftsfronten aufzureiben.



Sicher ist aber auch: Mit den Problemlagen im 100 000 Einwohner zählenden polnischen Kreis Kutno hat der fünf Mal größere Kreis Esslingen nicht viel am Hut. Außerdem verbinden den Landkreis als Folge der Kreisjugendring-Partnerschaft mit dem bei Warschau gelegenen Pruschkow schon seit Jahrzehnten mehr oder weniger zarte Bande mit dem östlichen Nachbarn.



Und sicher ist nach der Einschätzung des Esslinger Vizelandrats auch, dass ein Erfahrungsaustausch mit dem Bodenseekreis wenig Sinn macht. "Eine derartige Partnerschaft zwischen zwei baden-württembergischen Verwaltungen wäre sicherlich ein Novum", sagt Berg. Für den Kreis Leipzig dagegen könnten die Friedrichshafener Erfahrungen mit dem Bodensee im Hinblick auf die künftige Positionierung als Wassersport-Region Gold wert sein.



Auch wenn wenig über Inhalte diskutiert worden ist, haben die Esslinger doch eine bittere Erkenntnis mit nach Hause genommen. Auf dem Gebiet der Sangeskunst haben die Kollegen aus dem Münchner Umland und die Seeanrainer aus Friedrichshafen einen deutlichen Vorsprung. Beide Delegationen drückten am gemeinsamen Abschlussabend die Esslinger stimmlich an die Wand. Dieses offensichtliche Defizit bei den weichen Standortfaktoren hat Peter Keck nicht ruhen lassen. Noch auf der Rückreise hat der Landkreis-Sprecher die ersten Skizzen für ein "Liederbuch Landkreis Esslingen" zu Papier gebracht.
 

06.10.2009 - aktualisiert: 06.10.2009 06:01 Uhr

 

 



Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise