Die Situation ist heikel, die Diskussionen sind aufgeladen. Jetzt meldet sich VfB-Manager Horst Heldt zu Wort: Er nimmt Teamchef Markus Babbel in Schutz, verteidigt die Trainerausbildung in Köln und fordert, dass die Spieler endlich ihren Job machen.
Herr Heldt, was haben Sie heute schon alles gemacht?
Ich habe gearbeitet, wie immer.
War Ihr Tag ausgefüllt?Davon können Sie ausgehen.
Dann hätten Sie sicherlich keine Zeit, um nebenher eine Zusatzausbildung zu machen? Nein, aber das ist auch ein bisschen weit hergeholt.
Aber Markus Babbel muss nebenbei an die Sporthochschule nach Köln, um seinen Trainerschein zu machen.Das kann man doch nicht vergleichen. Das ist nun mal seine Pflicht, dazu gibt es keine Alternative. Das verlangt der DFB, die Bundesliga ist nun mal kein Wunschkonzert.
as Projekt mit der dualen Ausbildung des VfB-Teamchefs ist aber gescheitert.Das behaupten Sie. Das Projekt Babbel ist nicht gescheitert. Und ich habe auch überhaupt keine Lust, den Spielern ein Alibi für schlechte Leistungen zu liefern.
Warum ist Babbel dann diese Woche nicht nach Köln gefahren?Weil es wichtig ist, dass er in dieser Situation bei der Mannschaft ist. Das war er in den vergangenen Wochen im Übrigen auch. Sie werden doch nicht ernsthaft behaupten, dass unsere bescheidene Situation nur damit zusammenhängt, dass Markus Babbel eine Trainerausbildung macht.
Ein Chef muss in krisenhaften Situationen Präsenz zeigen.Das tut er doch!
Wird Babbel vom DFB den Rest der Hinrunde freigestellt?Sicher nicht, man wird ihm diese Extrawurst nicht braten.
Sondern?Man muss die Situation von Woche zu Woche neu überdenken.
Dann fehlt er künftig so oft wie möglich.Nein. Wie bisher so oft wie nötig.
Es gibt noch weitere offene Fragen.Das habe ich geahnt.
Es läuft nicht rund beim VfB . . . . . . das hat sich inzwischen rumgesprochen.
Und die Verantwortung dafür tragen der Sportdirektor, der Trainer . . . . . . und die Spieler.
Die es ein wenig schleifen lassen, weil der Teamchef dann mal weg ist und nicht mehr die klaren Ansagen zu Beginn seiner Amtszeit macht.Das ist mir als Analyse viel zu einfach.
Wir akzeptieren gern auch komplizierte Lösungsansätze.Es ist doch verdammt noch mal die Pflicht der Spieler, dass sie ihren Job gut machen. Und dabei darf es keine Rolle spielen, welches Mitglied des Trainerstabes das Training leitet.
Sie glauben an das Gute im Fußballprofi.Nein, ich weiß aber ganz genau, wie die Spieler ticken. Es geht dabei auch um die Selbstdisziplin jedes einzelnen.
Bitte gönnen Sie uns einen Blick in die Psyche eines Fußballprofis.Die unterscheidet sich gar nicht so sehr von anderen Berufsgruppen. Was machen Sie denn, wenn einer Ihrer Kollegen den Pulitzer-Preis gewinnt?
Dann gratulieren wir ihm und schicken ihn zum Seilspringen nach Zazenhausen, damit er nicht übermütig wird. Dann riskieren Sie aber, dass er beleidigt reagiert. Sehen Sie, wir hatten in der vergangenen Saison Erfolg, weil eine verschworene Gemeinschaft was erreichen wollte.
Hat ja auch ganz gut geklappt.Ja, aber damit beginnen dann die Probleme. Nach Erfolgen neigt der Mensch bewusst oder unbewusst dazu, es sich ein klein wenig bequemer zu machen. Und er denkt gern auch mal an sich selber.
Dafür gibt es den Trainer, der den Deckel auf dem Topf zu halten hat.Und deshalb haben wir die Mannschaft ganz gezielt verändert, um die Konkurrenz zu schüren.
Und deshalb schickt Babbel jedes Mal eine andere Mannschaft aufs Feld, deshalb bleibt Elson der Notnagel, Sebastian Rudy kickt bei den Amateuren, Kuzmanovic schmort auf der Bank, und den Stürmern wird vor lauter Rotation schon ganz schwindlig?Nun aber mal langsam. Jede einzelne Entscheidung ist wohlbegründet. Solche Vorwürfe greifen viel zu kurz. Eine Meinung kann man sich eigentlich nur erlauben, wenn man täglich mit den Spielern zu tun hat. Und da gibt es eben nachvollziehbare Gründe zu wechseln. Auch die Rotation sollte dazu dienen, jedem seine Chance zu geben. Bei uns gilt das Leistungsprinzip. Der Trainer behandelt grundsätzlich alle gleich.
Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass manche Spieler gleicher sind als die anderen.Zum Beispiel?
Roberto Hilbert, der seit der Meisterschaft 2007 fast regelmäßig einen ziemlichen Stiefel zusammenkickt. Oder Jens Lehmann, der sich aufführt, als sei er mit dem D-Zug durch die Kinderstube gerast. Oder Timo Gebhart, der Fußball als Einzelsportart betreibt.Wir reden und arbeiten sehr intensiv mit jedem Spieler. Und natürlich ist nicht immer ideal, was der Einzelne macht. Aber ich werde öffentlich keine Einzelkritik betreiben.
Hat Markus Babbel den Laden noch im Griff?Da gibt es überhaupt keine Zweifel.
Trotzdem gibt es viele Kritikpunkte.Das ist doch ganz normal, wenn es nicht gut läuft. Damit setzen wir uns auch intensiv auseinander.
Früher waren seine Entscheidungen klar, nachvollziehbar und überzeugend. Inzwischen wirkt das Ganze ein wenig beliebig.Wenn es gut läuft, werden Entscheidungen natürlich kaum angezweifelt, wenn es schlecht läuft, stellt die Öffentlichkeit gern alles infrage. Aber glauben Sie mir, jeder Schritt ist gut überlegt und wird zuvor besprochen.
Auch das Spielsystem mit der flachen Vier im Mittelfeld?Wir reden über alles.
Auch über die Raute im Mittelfeld?Auch darüber.
Schon im Spiel gegen Schalke?Das werde ich jetzt nicht mit Ihnen besprechen.
Schade, eigentlich. Würden Sie uns trotzdem noch was verraten?Kommt drauf an.
Warum schlagen Ihre Neuzugänge nicht ein?Natürlich sind sie spät zu uns gestoßen, aber die Gründe dafür sind bekannt. Hätten wir uns um jeden Preis über den Tisch ziehen lassen sollen? Wir werden sie Stück für Stück integrieren und auch ihre fußballerische Klasse sehen. Da bin ich absolut sicher.
Wie sicher sind Sie, dass im nächsten Heimspiel gegen den FC Schalke 04 alles wieder gut wird? Wir werden alles dafür tun, dass endlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht, die geschlossen auftritt und für jeden sichtbar um den Sieg kämpft.