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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 08.10.2009

Die Kinder der Seidenstraße

Krieg aus der Nähe, Gefühle auf Distanz

Nanking, China, 1937. Buchstäblich in letzter Sekunde entgeht der britische Fotoreporter George Hogg seiner Hinrichtung durch die japanischen Besatzer. Auf Anraten der US-Krankenschwester Lee Pearson zieht er sich zur Erholung in ein verlassenes Dorf in den Bergen zurück. Im alten Schulhaus entdeckt er 60 Waisenkinder, derer er sich annimmt. Als die Lage auch dort immer bedrohlicher wird, bricht er zusammen mit den Kindern über die Seidenstraße auf, um sie in Sicherheit zu bringen. Ein gefährliches Abenteuer beginnt...

Das Aufarbeiten von wahren Kriegserlebnissen hat momentan Hochkonjunktur. Und so ist George Hogg für die Engländer das, was John Rabe für die Deutschen darstellt: ein Kriegsheld. Keine Frage: Hogg hat viel Gutes getan und verdient diese späte filmische Würdigung. Doch seine Geschichte wird merkwürdigerweise sehr distanziert erzählt. Ob nun Hogg eine leidenschaftliche Affäre mit der Amerikanerin eingeht oder sich liebevoll um seine Schützlinge kümmert - eine emotionale Bindung des Zuschauers zur Hauptfigur findet nicht statt. Ganz aus der Nähe hingegen werden Kriegsgefechte inszeniert, die sich aller pyro- und tontechnischer Mittel bedienen. Die fehlenden Emotionen aber vermag weder die vorzügliche Kameraarbeit (Xiaoding Zhao), noch die orchestrale Filmmusik (David Hirschfelder) zu kompensieren. Der Film bleibt leider nur an der Oberfläche.
 

Wolfram Hannemann

08.10.2009 - aktualisiert: 08.10.2009 10:36 Uhr

 


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