Diese Schwaben! Reden manchmal aber auch ein komisches Zeugs! So wie jenes Omäle von der Alb, mit dem unsere Leserin Paula Schlimm aus Sindelfingen 1962 während ihres Praktikums im Kreiskrankenhaus Riedlingen Bekanntschaft machte. Dieses Omäle also (so schreibt Frau Schlimm), von dem kein Name überliefert ist und das heute aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht mehr lebt, brachte ihren aus dem Norden stammenden Arzt in arge Nöte. Und zwar mit dem schönen Satz: "Herr Doktor, meine Pilla send gar!"
Der Mediziner verstand nicht und fragte die Dame, ob sie ihre Tabletten etwa gekocht hätte, worauf diese antwortete: "Ha noi, it kocht, se send blos gar, i han koine meh!" Jetzt war der Mann vollends überfordert und auf die Übersetzungskünste der schwäbischen Praktikantin angewiesen. Frau Schlimm konnte ihm zwar bedeuten, dass die Pillen wohl alle seien. Warum die aus Oberschwaben stammende Patienten aber "gar" für "aus", "alle", "leer" verwandt, konnte unsere Leserin bis heute nicht verstehen.
Wir können nur so viel sagen, dass "gar" sehr viele Bedeutungen haben kann - eben auch diese. Dabei handelt es sich im Übrigen um kein schwäbisches Spezifikum. Wie dem auch sei: Die Krankenhaus-Episode hat Paula Schlimm bis heute nicht vergessen.
Spannende Biografien und Lebensgeschichten aus Schwaben. Wen kennen Sie? Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de