Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 16.10.2009
Zum Artikel "Raser auf dem Fahrradsattel ausbremsen" vom 8. Oktober: Ich muss einfach was loswerden, was mich schon lange ärgert: Die Berichterstattung über die negativen Radfahrer ist einfach zu einseitig. Natürlich gibt es hier, wie auch in jedem anderen Bereich der Verkehrsteilnehmer, schwarze Schafe, die sich nicht an die Spielregeln (Gesetz/Verordnungen) halten. Die Stadt Fellbach hat aber auch das ihre dazu beigetragen, wenn ich an die Nord-Süd-Achse im Stadtgebiet, hier hauptsächlich an die Bahnhofstraße, denke. Die dort anzutreffende Situation ist für Radfahrer und Fußgänger äußerst unbefriedigend und bedenklich. Bei der aufwendigen und sicher teuren Kosmetik der Verkehrsführung im Zuge des Stadttunnels wurde auf der anderen Seite dem innerstädischen Verkehr wieder Tür und Tor geöffnet (Abbiegen am Stuttgarter Platz in alle mögliche Richtungen), was zu teilweise haarsträubenden Situationen führt.
Auf der anderen Seite verschlechtert sich die Situation für die "Nicht-Autofahrer". Schmale Gehwege, geteilt mit dem Radweg; gepaart mit Laternenposten und Mülleimern. Dann kommt hinzu, dass jedem Gewerbetreibenden erlaubt wird, öffentliche Verkehrflächen gegen Bezahlung zuzustellen (Kommunen lassen sich das gegen gutes Geld bezahlen - oder nicht?). Und wo bleibt da die Verkehrssicherheit? Die "Fressmeilen" Bahnhofstraße und Co. sind zugepflastert mit Stühlen und Tischen und Plakatstoppern der BMW-Betriebe (Bäcker, Metzger, Wirt), ganz zu schweigen von sonstigen Aktions- und Verkaufsständern.
Da sind Konflikte programmiert. Als Fußgänger und Radfahrer kommt man sich automatisch in die Quere. Wohin sollen wir noch ausweichen? Als Elternteil mit Kinderwagen, ein Zwillingskinderwagen undenkbar. Was ist mit gehbehinderten Senioren mit Rollator oder behinderten Mitbürgern im Rollstuhl? Ist das die städtebauliche und verkehrssichere Entwicklung der Stadt Fellbach, Herr Kerres und Frau Soltys? Vor kurzem wurde das Areal am Bahnhof freigegeben; die Verkehrsflächen zugestellt und zugeparkt, und es fehlt einfach ein Stück Radweg, der da mal war! Thomas Ochs, Fellbach
"Klingeln sind Luxus"
Zum gleichen Thema: Dem Tenor der meisten Leserbriefe muss ich widersprechen. Ich denke eher, dass sich eine kleine Minderheit der Fahradfahrer an die Vorschriften hält. Gehwege werden von allen Altersklassen befahren, Einbahnstraßen und Radwege in falscher Richtung. Ich beobachte immer wieder Radfahrer, die trotz Radweg den Gehsteig benutzen. Nachts wird ohne Licht gefahren, viele Fahräder haben gar keine Beleuchtung, ebenso sind Klingeln Luxus. Zumindest eine Teilschuld an der Situation gebe ich auch unseren Ordnungshütern. Zu Fuß sieht man in Fellbach kaum mal einen Polizisten.Rainer Linsenmaier, Fellbach
Sicherheit mit Füßen getreten
Zum Artikel "Raser auf dem Fahrradsattel ausbremsen" vom 8. Oktober und zum Leserbrief "Geballte Ordnungsmacht" vom 10. Oktober:
Jedes Wort von Martin Höschs Leserbrief kann ich nur dick unterstreichen. Ich hätte es nicht zutreffender schreiben können! Die Route für den vorgeschlagenen Praxistest sollte bis Oeffingen und zurück, und auf alle Werktage erweitert werden. Kürzlich war in der Fellbacher Zeitung von hohen Auszeichnungen des ADFC für die Stadtverwaltung zu lesen, vom "Runden Tisch Radverkehr" und der "Projektgruppe Fahrrad". Das hört sich alles ganz toll an, die Sicherheit der Radfahrer wird in Fellbach jedoch mit Füßen getreten. Nach dem Motto: Wer ohne Helm fährt, ist selbst schuld. Der Zustand der Radwege (wenn vorhanden) ist überwiegend eine Zumutung. Nur ein Beispiel: In Schmiden wurden in jüngster Zeit im Bereich von Straßeneinmündungen Bauarbeiten durchgeführt. Warum wurden die Übergänge von der Straße zum Radweg nicht ohne Absatz ausgeführt ? Und warum wurde bei der Neugestaltung des Gehwegs an der Bahnhofskreuzung auf den Radweg verzichtet? Positiv finde ich, dass einige Einbahnstraßen für Radfahrer richtungsfrei sind. Doch das wissen offensichtlich die wenigsten Fellbacher. Dafür sind jetzt sogenannte unechte Einbahnstraßen in Fellbach modern. Meiner Ansicht nach völlig überflüssig, sogar gefährlich. Das Fellbach-Ticket finde ich gut. Wenn aber mehr Fellbacher aufs Rad steigen würden, wäre das noch besser und noch umweltbewusster. Nicht zuletzt mit der Aktion Unrad erzeugt die Stadtverwaltung bei Radlern Unmut und vermittelt den Eindruck, Radler seien in Fellbach unerwünscht. Überzeugen Sie uns vom Gegenteil! Machen Sie Fellbach für Radfahrer attraktiver, die ADFC-Auszeichnungen für die Stadtverwaltung bringen den radfahrenden Bürgern nichts. Wir brauchen keine Pedelecs, wir brauchen sichere Radwege durch unsere Stadt! Soeren Hundhausen, Fellbach
"Mehr Sachlichkeit gewinnen"
Zu den Leserbriefen zum Artikel "Raser auf dem Fahrradsattel ausbremsen" vom 8. Oktober: Einerseits freut es mich, dass wir mit unserer laufenden Fahrradkonzeption "Unrad" solch eine Resonanz erreichen konnten. Andererseits betrübt mich die doch mehr als einseitige Darstellung in der Öffentlichkeit sehr. Es ist normalerweise auch nicht meine Art, auf Leserbriefe dieser Art zu antworten bzw. zu reagieren. Allerdings ist zwischenzeitlich ein Punkt erreicht, der verlangt, wieder etwas mehr Sachlichkeit in die Diskussion einkehren zu lassen. Deshalb möchte ich die Sachlage mit den nachfolgenden Punkten darstellen:
1. Es geht nicht um die Verfolgung und/oder Stigmatisierung aller Radfahrer, sondern um die Verkehrssicherheit im Allgemeinen!
2. Undisziplinierte Radfahrer waren in der repräsentativen Bürgerbefragung 2009 als eines der drängendsten Probleme insgesamt bzw. im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr genannt worden. Mein berufliches Selbstverständnis verlangt, dass ich die Ergebnisse der Bürgerbefragung in meiner Funktion als Revierleiter sehr ernst nehme. Würde ich dies nicht tun, dann hätten wir (Stadtverwaltung und Polizei) uns die Mühe, die Arbeit und auch die Kosten sparen können!
3. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht und fährt, wird nicht leugnen können, dass es auch innerhalb der Schar von Radfahrern eine Vielzahl "Schwarzer Schafe" gibt! Beispielhaft erwähnt seien: Fahren ohne Licht, Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, Rotlichtfahrten und vieles mehr.
4. Wir haben in Fellbach eine Vielzahl von Verkehrsunfällen (2008 waren es 60) mit Radfahrern, die häufig mit massiven Verletzungen (43 Personen leicht-, 9 schwerverletzt und eine Person getötet) für sie enden!
5. Die Konzeption war und ist im Sinne einer wirkungsvollen Verkehrssicherheitsarbeit sehr breit angelegt und beinhaltet deshalb neben der Repression auch umfassend die Prävention.
6. Die Schwerpunktsetzung ist zeitlich befristet, da unsere personellen Ressourcen sowie die Vielfältigkeit und schiere Masse unserer Aufgaben eine längere Laufzeit der Maßnahmen nicht zulassen.
Es wäre mir ein Anliegen, wenn die Diskussion nicht in dieser einseitigen - und für die Polizei eher unerfreulichen - Art stattfinden und deutlich mehr an Sachlichkeit gewinnen würde. Dies hat die ausgewogene und für die Sicherheit der Fellbacher Bürger erstellte und von uns umgesetzte Konzeption durchaus verdient. Klaus Auer, Leiter des Polizeireviers Fellbach
Nützlich oder lukrativ?
Zum Artikel "Ärzte können demnächst impfen" vom 8. Oktober: Gesundheit ist das höchste Gut, doch stellt man sich in diesen Wochen die Frage, wieweit die Entscheidung der Menschen, sich gegen die "schweinische" Grippe impfen zu lassen, auf einem anspruchsvollen Niveau der Information bei fairer Darstellung der Hintergründe auf uns zukommt? Die Schweinegrippe wird zur Generalstabsübung, die die Belastbarkeit von Staat, Schulmedizin und der Gesellschaft auf eine Probe stellt. Medien und Organisationen, die Profit daraus ziehen können, tragen dazu bei. Jede Krankheit entwickelt sich aus einem geschwächten Immunstatus heraus. Der in der Schweiz tätige Homöopath Mohinder Singh Jus bestätigt dies aus seiner langen Erfahrung mit Pandemien in Indien, kommt zum Schluss: Die Schweinegrippe ist nicht gefährlicher als eine gewöhnliche Grippe. Da es sich um ein neues Virus handelt, sind Menschen nicht besonders immun dagegen: Doch ob sie daran erkranken, hängt von elitären Faktoren ab. Der Virus selbst sei nur einer von vielen Faktoren. Solange die Lebenskraft stark und intakt bleibt, ist unser Schutz optimal. Dies erkläre auch, warum bei Pandemien eben doch nur wenige erkranken. Und: Laut einer Stellungnahme des Vereins "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" heißt es bei den widersprüchlichen Medien-Darstellungen, dass man keine umfassende Auskunft über die Wirksamkeit dieser Therapie und die Sicherheit des Impfstoffes geben könne. Wer wissen will, ob der hektisch entwickelte Impfstoff ausreichend getestet ist, erfährt nichts, nicht, welche Beimengungen etc. drin sind. Ergo: Wieweit ist die Impfwelle nützlich - oder nur lukrativ (für Hersteller)? Dies letztlich ist das Ergebnis meiner Anfrage als besorgter Kreisrat beim Kreisgesundheitsamt Rems-Murr. Gerhard Geiger, Fellbach
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16.10.2009 - aktualisiert: 16.10.2009 06:00 Uhr