Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 16.10.2009
Kernen. Ein Kubikmeter Wasser kostet von Januar an 4,99 Euro, um Verluste der Klärwerke auszugleichen. Von Hans-Dieter Wolz
Der Anteil des Wasserwerks fällt von 1,88 Euro inklusive Mehrwertsteuer um vier Cent auf 1,84 Euro, weil die Kosten sich in Grenzen hielten, aber die Kernener großzügiger die Hähne öffneten. Im Geschäft mit den Wasserleitungen und Quellen gelten andere Marktgesetze als sonst im Geschäftsleben: Die Fixkosten sind hoch, und in Jahren trockenen Wetters mit guter Wasserabnahme verteilen sich mehr Tropfen auf nahezu unveränderte Ausgaben für das Netz und geringfügig höhere Wasserbezugskosten.
Ganz anders die Abwasserbeseitigung. Noch immer treiben die früheren Großinvestitionen ins Kanalnetz, vor allem aber in die drei Kläranlagen, über kalkulatorische Zinsen den Preis des Kubikmeters Abwasser hoch. Die 3,07 Euro, die in diesem Jahr bereits beim Bürger verlangt worden sind, hätten zwar fast gereicht, um, wie von der Landesregierung verlangt, auch 2010 kostendeckend Abwasser abzutransportieren und zu klären. Doch alte, noch nicht ausgeglichene Verluste sind aufgelaufen, und Kämmerer Achim Heberle kann sie nicht weiter ins nächste Jahr übertragen. Nur fünf Jahre lang ist dies möglich. 2010 muss er die Bürger nun endlich mit den Unterdeckungen aus dem Jahr 2005 belasten und lässt auch bereits Teile der angestauten Fehlbeträge aus den Jahren 2006, 2007 und 2008 mit dem neuen Preis von 3,15 Euro, immerhin ein Plus von 8 Cent, ab.
"Die Gemeinde Kernen liegt wegen des Betriebs dreier Kläranlagen verhältnismäßig im oberen Bereich der Kosten für die Abwasserbeseitigung," sagt Achim Heberle. Nachdem der Gemeinderat wegen hoher zu erwartender Kosten und auf den Rat von Gutachtern lange Jahre davor zurückschreckte, aus den drei Kläranlagen noch zwei oder gar eine zu machen, gibt es jetzt allerdings einen zukunftsweisenden Beschluss. In einigen Jahren wird das Abwasser aus dem Haldenbach- und Beibachtal Richtung Krättenbach-Kläranlage gepumpt. Die Hoffnung des Gemeinderats geht dahin, dass dies langfristig hilft, Investitionen in die Kläranlagen nicht zu teuer werden zu lassen. Erst einmal sind allerdings Investitionen dazu nötig, die wiederum den Preis für Wasser und Abwasser in den nächsten Jahren nochmals steigern werden. "Tendenziell steigen die Gebühren, wenn weitere Investitionen kommen", sagt Heberle.
Die noch ungedeckten Fehlbeträge der Abwasserbeseitigung aus den Jahren 2006, 2007 und 2008 können den Kubikmeter Wasser schon 2011 über die 5-Euro-Grenze treiben. Nach der Finanzplanung Heberles sind auch 2012 und 2013 noch Verluste aus vergangenen Jahren abzudecken. Es handelt sich um Beträge in Höhe von 64 000, 50 000 und 1000 Euro.
16.10.2009 - aktualisiert: 16.10.2009 06:01 Uhr