Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 16.10.2009

 

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Drohungen und Proteste zuhauf

Winnenden Das Aktionsbündnis Amoklauf will in Stuttgart so genannte "Killerspiele" einsammeln. Von Annette Clauß
 

Mit solch heftigen Reaktionen haben Hardy Schober und seine Mitstreiter vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden nicht gerechnet: In Internetforen und per elektronischer Post wird ihnen "Hexenjagd" und "Zensur" vorgeworfen, manche Schreiber ziehen gar Vergleiche zur "Inquisition" und zu den Nationalsozialisten. Stein des Anstoßes ist der öffentliche Aufruf des Aktionsbündnisses, am kommenden Samstag, 17. Oktober, so genannte "Killerspiele" - also Computerspiele, in denen das Töten von Menschen simuliert wird - in einem Container zu entsorgen. Von 10 bis 19 Uhr wird der Behälter mit 20 Kubikmeter Fassungsvermögen vor der Staatsoper in Stuttgart stehen. Nach Ende der Aktion sollen die dort eingeworfenen Spiele in einer Müllverbrennungsanlage in Göppingen in Flammen aufgehen.



Hardy Schober spricht von "Drohungen schlimmster Art", die das Aktionsbündnis und seine Förderer wegen der Container-Aktion derzeit erhielten. "Ich weiß nicht, wovor die Angst haben. " Er rechne damit, dass es am Container zu Protesten und Auseinandersetzungen kommen könnte. Da der Sammelbehälter aber in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landtag und damit innerhalb der Bannmeile stehe, in deren Bereich Versammlungen und Demonstrationen grundsätzlich verboten sind, gehe er davon aus, dass die Polizei präsent sein werde. Zusätzlich habe das Bündnis für Samstag einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses seien bereit, Gespräche zu führen, "aber die Erfahrung zeigt, dass diese kaum fruchten". Er könne die vehementen Reaktionen nicht nachvollziehen, sagt Schober - schließlich sei die Aktion eine freiwillige Sache.



Die Schreiber von mehr als 200 Emails sehen die Vernichtungsaktion in einem anderem Licht. Die gemäßigteren unter ihnen bezeichnen sie als "populistisch", andere sprechen von einer "öffentlichen Beseitigung von Kunstwerken, die für erwachsene Menschen entwickelt wurden". Auch der Nazivergleich bleibt nicht aus: "Es drängt sich das Bild der Bücherverbrennung von 1933 auf."
 

16.10.2009 - aktualisiert: 16.10.2009 06:03 Uhr

 

 



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