Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 22.10.2009
(500) Days Of Summer
Schickt die Egos in die Wüste!
Wer einem anderen in Liebe verfällt, kann zum Spielball werden, wenn dieser sich nicht wirklich einlässt, sondern nur Spaß sucht. Der Grußkarten-Designer Tom lernt im Büro die charmante Summer kennen und glaubt, sie sei die Frau seines Lebens, obwohl sie klarmacht, dass sie von festen Bindungen nichts hält. So beginnt ein 500-tägiges Drama, das zunehmend zur Qual wird - auch für die Zuschauer, von denen sich mancher fragt, wann der attraktive Junge die Egomanin endlich in die Wüste schickt und wieder zu leben beginnt.
Offiziell wird dieser Film als Komödie vermarktet, und er sieht auch so aus - doch Tom leidet viel zu ehrlich unter der emotionalen Unausgewogenheit. Dass Marc Webber das Werk trotzdem nach Hause geschaukelt hat, spricht für ihn wie für das nah am Leben verfasste Drehbuch und das nuancenreiche Spiel von Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel. Der Film springt ständig in der Zeit und zeigt wiederkehrende Motive. Zu Beginn lacht Summer über Toms Witze im Möbelhaus und im Plattenladen, Situationen, die Paare als Rückversicherung im zweisamen Gedächtnis bewahren - doch je näher Tom Summer kommt, desto mehr verzieht sie irgendwann nur noch das Gesicht.
Ein so ungleiches Gefecht kann nur in einer schweren Niederlage enden. Die ist nicht lustig, wirkt aber lange nach - und lässt ahnen, was Webber möglich gewesen wäre, wenn er sich für ein Genre entschieden hätte
Bernd Haasis
22.10.2009 - aktualisiert: 22.10.2009 14:50 Uhr