Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 23.10.2009
Waiblingen Laut Umfrage glauben die meisten Betriebsführer, dass die Talsohle jetzt erreicht ist. Von Frank Rodenhausen
Grund zur Entwarnung gebe es allerdings nicht. "Die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis verharrt zurzeit auf niedrigem Niveau", sagt der IHK-Geschäftsführer. Besonders betroffen von der Wirtschaftskrise seien die exportorientierten Industriebetriebe im Rems-Murr-Kreis. Bis zu 80 Prozent seien die Umsätze in der ersten Hälfte dieses Jahres eingebrochen. Zwei Drittel der Unternehmen müssten am Ende des Jahre mit sinkenden Gewinnen oder Verlusten zurecht kommen. Doch gerade die Exporteure hofften jetzt wieder auf bessere Geschäfte. Insbesondere die Nachfrage aus Asien spiele hier eine Rolle.
Vergleichsweise gut sind im Rems-Murr-Kreis offenbar jene Betriebe aufgestellt, deren Geschäft die Verpackungstechnik ist. Zum einen sei die Kundschaft, die Nahrungs- oder pharmazeutische Industrie, nicht so stark von der Rezession betroffen. Zum anderen habe man in diesem Bereich mit dem Waiblinger Kompetenzzentrum Packaging Excellent Center ein gutes Netzwerk geschaffen, in dem man sich gegenseitig stütze, sagt Gayer. Schlecht hingegen laufe es bei den Automobilzulieferern, wenngleich dieser Bereich im Rems-Murr-Kreis nicht so dominant sei wie in anderen Kreisen der Region.
Zweigeteilt sei auch die Stimmung im Handel. Während der Großhandel im Sog der Industriebetriebe starke Verluste einstecken musste, gehe es dem Einzelhandel vergleichsweise gut. Bei den Servicebranchen müsse man unterscheiden, was genau angeboten werde. Unternehmensnahe Dienstleistungen, etwa Steuer- oder Finanzberatung, seien ebenso, teilweise sogar intensiver nachgefragt worden. Hingegen hätten Messe- und Werbebudgets, Bewirtungs- und Veranstaltungskosten ganz oben auf der Streichliste der Unternehmen gestanden. Doch auch hier hellt sich die Stimmung laut den Umfrageergebnissen wieder leicht auf.
Ob sich die Rems-Murr-Wirtschaft tatsächlich aufschwingt, hängt laut Gayer davon ab, ob, wann und auf welchem Niveau sich die Nachfrage stabilisiere. Mit Kurzarbeit hätten sich viele Unternehmen bisher über die schwierige Zeit gerettet, doch "je länger die Hängepartie dauert, desto schwerer wird es für die Unternehmen, das notwendige Knowhow ihrer Fachkräfte zu sichern", sagt Gayer. Die meisten Unternehmer hätten allerdings aus vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit gelernt, als man zum Teil allzu schnell mit Entlassungen reagiert und nach dem Wiederaufschwung Probleme bekommen habe, geeignetes Personal zu rekrutieren. Die gebremst optimistischen Erwartungen würden jedoch kaum zu Neueinstellungen führen. Gayer: "Die Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Monaten nicht sinken."
23.10.2009 - aktualisiert: 23.10.2009 06:01 Uhr
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