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Autozulieferer Mahle

800 Stellen auf der Kippe

Foto: dpa

Stuttgart - Der Stuttgarter Autozulieferer Mahle setzt verstärkt den Rotstift an. Dabei geht es vor allem um Personalkosten an den deutschen Standorten. Nach Informationen unserer Zeitung sollen 2010 mehr als 800 von derzeit rund 8800 Arbeitsplätzen im Inland abgebaut werden.

Eine Unternehmenssprecherin bestätigte, dass es Vorschläge und Gespräche über Einsparmaßnahmen gebe. Entsprechendes sei bei einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses beschlossen worden. Weitere Details dazu wollte sie allerdings nicht nennen. Ziel sei es, die Gespräche bis Dezember abzuschließen. Auch Klaus Ritter, Betriebsratsvorsitzender in Stuttgart, bestätigte entsprechende Gespräche, Verhandlungen gebe es aber noch keine.

Die Mitarbeiter sind verunsichert, seit die Abbaupläne auch Thema bei den jüngsten Betriebsversammlungen an den verschiedenen Standorten waren. Viele bangen um ihren Arbeitsplatz. Wie zu hören ist, ist auch der Standort Stuttgart von den Abbauplänen hart getroffen. Hier sollen etwa 250 von derzeit 2200 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Das geht quer durch alle Bereiche - vom Maschinenbau über den Werkzeug- und Prototypenbau bis zur Verwaltung. Zum Standort zählt auch das Werk Fellbach, das sich auf Komponenten für den Motorsport spezialisiert hat. Hier sind fast 180 Mitarbeiter beschäftigt, mehr als 30 davon sollen abgebaut werden.

Die einzelnen Standorte sind unterschiedlich getroffen. Es geht vor allem um Standorte, die auch strukturelle Probleme haben. Den Plänen zufolge stehen auch in den Filterwerken Lorch mit seinen rund 240 Beschäftigten und Öhringen mit rund 770 Stellen jeweils mehr als 90 Arbeitsplätze auf der Kippe. Mehr als 200 Arbeitsplätze sollen auch in Gaildorf wegfallen, wo die Gießerei bis Ende nächsten Jahres geschlossen werden soll. Mit den angeschlossenen Bereichen wären damit am Standort 40 Prozent der Beschäftigten betroffen. Abbaupläne gibt es auch im Sauerland. In Plettenberg sind über 100 von 550 Arbeitsplätzen bedroht.

Insgesamt sollen die Personalkosten im nächsten Jahr um rund 20 Prozent sinken. Noch gilt ein Beschäftigungssicherungsvertrag für die deutschen Standorte, der bis Ende März 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Dass dieser flächendeckend verlängert werde, halte er für unrealistisch, hatte Mahle-Chef Heinz Junker bereits im September angedeutet. "Wir haben versucht eine Vollbremsung hinzulegen", hatte Junker damals die Situation von Mahle beschrieben, doch die Maßnahmen, die man nach dem Absacken der Autonachfrage vergangenen Herbst ergriffen habe, hätten nicht schnell genug gewirkt. Es wurden zwar mehrere Werke im Ausland geschlossen, so dass die Stammbelegschaft zur Jahresmitte um mehr als 6000 auf rund 44000 Beschäftigte gesunken ist. Ende 2010 werde die Zahl noch mal niedriger liegen, hatte Junker angekündigt.

Im ersten Halbjahr ist der Umsatz von Mahle um rund ein Drittel auf 1,8 Milliarden Euro eingebrochen, zudem rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen. Auch das Gesamtjahr werde mit Verlust abschließen, hatte der Mahle-Chef gesagt. In diesem Jahr rechnet Mahle mit einem Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent. 8000 der 8800 Mitarbeiter im Inland sind derzeit in Kurzarbeit.

Wie Mahle gestern mitteilte, hat der Spezialist für Motorkomponenten wie Kolben und Filter das Autogeschäft des Zulieferers KTM Kühler im österreichischen Mattighofen übernommen, Die Produktion an dem Standort mit 120 Mitarbeitern werde weitergeführt. Dort werden sogenannte Öl-Wasser-Wärmetauscher hergestellt. Damit lassen sich der Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß von Verbrennungsmotoren reduzieren. Außerdem werden sie bei alternativen Antrieben verwendet. Im vergangenen Jahr erzielte die KTM Kühler GmbH mit der Sparte einen Umsatz von 15 Millionen Euro.
 

Imelda Flaig

26.10.2009 - aktualisiert: 26.10.2009 18:12 Uhr

 



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