Stuttgart - Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) führt 2010 das Online-Ticket ein. Kunden können sich ihre Fahrkarte dann zu Hause am Computer ausdrucken. Das neue Angebot ist zunächst auf das Tagesticket mit bis zu zwei Zonen oder netzweiter Gültigkeit beschränkt. Die VVS-Kontrolleure werden mit Lesegeräten ausgestattet, wie sie bei der Bahn AG üblich sind.
"Wir sind uns mit den Stuttgarter Straßenbahnen über die Einführung einig", sagt Horst Stammler, der seit dem 1. September zusammen mit Thomas Hachenberger den Verbund führt. Die
SSB AG ist einer der wichtigsten Gesellschafter im VVS.
In einem zweiten Schritt will Stammler auch das Handyticket ermöglichen. Ein Einführungsdatum für dieses Angebot, bei dem sämtliche Fahrkartenarten mit Ausnahme von Abo-Karten auf ein Handy geladen werden können, nennt der neue VVS-Chef aber nicht. Geprüft wird beim VVS auch die Einführung einer Chipkarte. Mit ihr könnten Kunden beim Einstieg in Busse und Bahnen und beim Ausstieg elektronisch erfasst und die Fahrtstrecke so automatisch abgerechnet werden. Die Chipkarten selbst, vor allem aber die Computer- und Übertragungstechnik, die in jedem Fahrzeug installiert werden müsste, würden hohe Investitionen erfordern. Ob der VVS diese in absehbarer Zeit stemmt, ist fraglich, zumal die Wirtschaftskrise auch beim Verbund bald Spuren hinterlassen könnte.
Bis Ende August stiegen die Fahrgastzahlen im Jahresvergleich um 1,1 Prozent oder zwei Millionen auf 186,6 Millionen, der Umsatz um 3,5 Prozent oder sieben Millionen auf 219,3 Millionen Euro. Die Umsatzsteigerung lag damit über der 2009er-Preiserhöhung von 3,2 Prozent. Thomas Hachenberger ist mit seiner Jahresprognose dennoch vorsichtig. Das zweite Quartal 2009 sei vergleichsweise schwach gewesen, erst im August habe man einen "unerwarteten Aufschwung" verzeichnet. Hachenberger hofft, dass die 3,2 Prozent Einnahmesteigerung bis zum 31. Dezember erreicht werden.
Während im Ausbildungs- und Berufsverkehr überdurchschnittliche Steigerungsraten zu verzeichnen waren, gab es bei den Seniorentickets im VVS ein Minus von 2,2 Prozent. Das sei deshalb kritisch, weil die Senioren die einzige Bevölkerungsgruppe seien, die zahlenmäßig wachse, sagt Stammler. Und weiter: "Wir sind durch die Wirtschaftskrise noch nicht durch."
Verlässlichkeit soll es für die Schüler geben. Mit den Landkreisen konnte das Scool-Abo für fünf Jahre gesichert werden. Stammler räumte auf Nachfrage allerdings ein, dass der Zuschuss eingefroren wird. Das bedeutet, dass die Schülerkarten bei den jährlichen Preiserhöhungen genauso betroffen sind wie andere Fahrscheinarten.
Zum Jahresende will der VVS den Kunden mit dem Advent-Spezial ein Bonusangebot mit 100 Prozent Zusatzleistung machen. Wer an den Samstagen ein Tagesticket kauft, kann es auch am Sonntag nutzen.