Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Ein Wechsel an der Spitze des Landes zählt dazu. Deshalb liefern wir Ihnen an dieser Stelle nicht wie dienstags üblich ein Rezept, sondern einen Exkurs in die Sprachgepflogenheiten des alten und neuen Ministerpräsidenten.
Politisch mag Oettinger zu ersetzen sein, sprachlich nicht. Sein näselndes Vorstadt-Idiom hat den "schwäbischen Schnellsprecher" (Spiegel) in die Reihe berühmter Schwaben-Parodien wie Lothar Späth, Horst Köhler, Klaus Kinkel und Jürgen Klinsmann befördert. Präzise. Gekonnt. So unverwechselbar wie unverständlich. Dabei hat er zuletzt alles daran gesetzt, seinen Stil glattzuschleifen. Mit mäßigem Erfolg. Nur das Tempo hat sich verlangsamt. Jetzt wechselt er nach Brüssel, wo sich ihm zwei Möglichkeiten bieten: Schwäbisch neben Katalanisch und Maltesisch als Minderheitensprache durchsetzen. Oder Fremdsprachen lernen. "Ich bin neugierig auf Sprachen und will erreichen, dass ich Französisch nicht nur parlieren kann und gut verstehe, sondern auch gut fachlich beherrschen lerne." Anfangen will Oettinger aber mit Englisch. Das beherrscht er nämlich so gut wie Hochdeutsch, auch wenn er selbst es als "in der Gesprächsführung sicher" beschreibt. Nur mit den Fachbegriffen hapere es noch. Aber auch das will der Kommissar in den Griff bekommen. Ha now!
Von Ditzingen nach Pforzheim. Von dort stammt der Neue, Stefan Mappus. Man hört es kaum. Mappus' Rhetorik ist austauschbar. Er könnte auch aus Dinslaken oder Mainz stammen. Dabei hat das an der schwäbisch-badischen Dialektgrenze gelegene "Pforze" eine herrlich verschrobene Mundart zu bieten. Aber da macht Mappus nicht mit. "Ich möchte in Pforzheim wohnen bleiben", sagt er sprachlich korrekt. Günther Oettinger hinterlässt eine Lücke.
Das Rezept liefern wir nach. Schreiben Sie uns Ihre schwäbischen Anekdoten: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de