Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 30.10.2009
Fellbach. Bertram Schulz ist ein Neckarzwerg. Er spielt begeistert Improvisationstheater und liebt die Inspiration. Von Brigitte Hess
Improvisationstheater ist eine Form, deren Wurzeln in der Commedia dell"Arte und in der Stegreifkomödie liegen. Am bekanntesten sind hier vor allem die Tübinger Theatersportgruppen, die mit dem Impro-Theater vergleichbar sind. "Unser Publikum ist überwiegend zwischen 20 und 40, aber wenn ältere Menschen sich erst mal auf die Spielweise einlassen, sind sie oft fasziniert", sagt Bertram Schulz.
Ihn begeistert am Impro-Theater, dass man nie weiß, was auf einen zukommt, und die entwickelten Geschichten einmalig bleiben: "Wir haben jedesmal Premiere, nichts wiederholt sich", sagt Schulz. Das Publikum ruft den Impro-Spielern Stichworte zu, auf die sie reagieren. "Es kommt schon vor, dass man mal keine so tolle Idee zu einem Stichwort hat, aber irgendwas entwickelt sich immer, die Gemeinschaft der drei oder vier Mitspieler funktioniert". Insgesamt gehören zu den Neckarzwergen acht Mitspieler, drei Frauen und fünf Männer, aber mehr als vier treten nie gemeinsam auf. In dieser Theaterform gibt es "Spiele", meist sind die entwickelten Geschichten nur zwei bis drei Minuten lang, manchmal aber auch zehn, und es gibt sogar Langformen, die einen ganzen Abend dauern. Beliebt ist das "Thile", ein Drama, das mit dem Schluss beginnt und sich zum Anfang hin aufrollt. Oder Ratespiele, in denen ein ahnungsloser Mitspieler einen Begriff erraten muss, den Zuschauer und Kollegen kennen. "Das Publikum sieht uns auch gerne mal scheitern. Und das ist hier so manches Mal garantiert", sagt Schulz.
Riesigen Spaß macht Spielern und Publikum auch das Spiel, in dem einer der Protagonisten spricht und ein anderer der Figur die Arme leiht. "Oder wir spielen eine Szene, und das Publikum darf dann entscheiden, mit welchem Gefühlshintergrund sie nochmals gespielt werden soll", erklärt Schulz die Vielfalt.
Es gibt Stichworte, die häufig fallen: "Fragt man nach einem Werkzeug, ist garantiert der Hammer dabei, aber wir nehmen eigentlich lieber die ausgefalleneren Vorschläge, das reizt uns mehr", sagt Bertram Schulz. Die Gemeinsamkeit der Schauspieler muss stimmen, sich auf den anderen einzulassen und das anzunehmen, was er vorgibt, sind Voraussetzungen für ein gelungenes Spiel. Dafür haben die Spieler außer Mimik und Gestik nicht viele Möglichkeiten. Es gibt weder Requisiten noch Kostüme. "Wir müssen schon mit dem, was wir tun, den Raum füllen. Und wenn wir ein Bild im Zuschauer erwecken können, dann waren wir gut", sagt Schulz, der im richtigen Leben Leiter des Heilpädagogischen Kindergartens des Evangelischen Vereins ist. Präsenz und Konzentration der Spieler sind bei dieser Theaterform extrem: "Nach der zweistündigen Vorstellung bin ich so fertig wie nach einem anstrengenden Arbeitstag", sagt Schulz.
Etwa zwei Mal im Monat treten die Neckarzwerge auf. Im Stuttgarter Dreigroschentheater beim Marienplatz haben sie ihren Stammsitz, und es gibt Fans, die fast zu jeder Aufführung kommen. Aber auch von Firmen und Vereinen wird die Truppe gerne gebucht. "Da ist es natürlich gut, wenn man sich im Vorfeld ein paar Interna besorgt und die locker einflechten kann", sagt der gebürtige Gaggenauer.
In seiner Fellbacher Wohnung ist er selten, denn neben dem Theater hat er eine weitere Leidenschaft - die Musik. Bertram Schulz spielt Gitarre und singt in der Cover-Gruppe "White water", die sich dem Pop und Rock verschrieben hat.
Info: Bei den "Fröhlichen Gemeindenachmittagen" des Evangelischen Vereins tritt die Gruppe am Samstag, 7. November, von 20 Uhr an im Paul-Gerhardt-Haus auf. Mehr über die Neckarzwerge gibts im Internet unter www.neckarzwerge.de.
30.10.2009 - aktualisiert: 30.10.2009 06:01 Uhr
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