Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 30.10.2009
Fellbach. Eier der heimischen Baumwanzen sind Kunstwerke der Natur. Die Stinkwanze trägt ihren Namen zurecht. Von Dieter Schmidtke
In diesem Jahr gediehen die Zwetschgen prächtig. Dieser Meinung waren auch Bienen, Wespen, ja sogar Hornissen, die sich von den süßen Früchten ihren Anteil sicherten. Auch Baumwanzen krochen auf manch einer Zwetschge herum. Wollten sie sich auch an dem süßen Saft angefressener Früchte laben? Man erwartet diese Insekten doch viel eher auf Kirschen oder Brombeeren. Ein kleines Paket aus gelblichen Eiern, fest auf eine Zwetschge geklebt, war wohl die Lösung des Rätsels. Die Wanzen legten auf dem Baum ihre Eier ab. Normalerweise geschieht das auf der Unterseite von Blättern, wo die Eier besser vor Regen geschützt sind. Eines der Wanzenweibchen hatte jedoch eine Zwetschge als Unterlage für ihr Gelege ausgesucht. Es musste sich wohl um einen Zufall handeln, denn auf keiner der vielen geernteten Früchte waren weitere Eipakete zu finden.
Beim Betrachten mit einer Lupe ergab sich eine Überraschung: Eines der vierzehn Eier schien komplett durchsichtig, umgeben von einem Kreis kleiner Punkte. Dieses Ei war wohl unbefruchtet geblieben. Die anderen dreizehn wiesen zwar auch diesen Punktekreis auf. Aber aus jedem Ei schaute den Beobachter ein Gesicht an, ähnlich den Smileys, über die sich Schulkinder freuen, wenn ihnen die Lehrerin oder der Lehrer ein solches Symbol für eine gute Leistung ins Heft malt.
Um Gesichter der Larven, die in den Wanzeneiern warteten, bis sie schlupfreif waren, konnte es sich nicht handeln. Die rotbraunen Markierungen mussten eine andere Bedeutung haben. Nach längerer Suche in Bestimmungsbüchern und im Internet fand sich eine Erklärung. Baumwanzen durchleben fünf Larvenstadien, bis sie ausgewachsene Insekten sind. Nach jeder Häutung zeigt sich auf dem Hinterleib eine andere Zeichnung Die erste Entwicklungsstufe wird eben durch die Smileys angezeigt. Erst am neunten Tag waren in den Eiern alle Smileys verschwunden. An ihrer Stelle lagen weit entwickelte Larven, bereit zum Ausschlüpfen. Als alle dreizehn Larven ihr Ei verlassen hatten, ließ sich auch die Bedeutung des Kreises aus kleinen Punkten erklären. Es war eine Sollbruchstelle, gewissermaßen der Rand eines Deckels, durch den die Larven das Ei verlassen können. Erst danach beginnt die Zwetschge zu faulen. Offensichtlich geben die Larven während ihrer Entwicklung Stoffe ab, die die Fäulnis verzögern.
Das ganze Leben der Baumwanzen wird durch chemische Signale bestimmt. So sorgen Duftstoffe dafür, dass die Larven zunächst eng beieinander bleiben. Erwachsene Tiere scheiden unangenehm duftende Stoffe aus, wenn sie sich zum Beispiel von einem anderen Insekt bedroht fühlen. So empfinden sie auch das Pflücken einer Beere, auf der sie sitzen, als Bedrohung und lösen ihre Abwehrreaktion aus. Dies hat der bei uns häufigsten Art, der Grünen Baumwanze, den Namen Stinkwanze eingebracht. Die Stinkbombe, die die Wanze auf der Beere hinterlässt, bevor sie sich - meist mit lautem Brummen - entfernt, macht die Frucht für uns Menschen für kurze Zeit ungenießbar, gilt aber als völlig harmlos. Spätestens nach einigen Stunden ist der üble Geruch verduftet.
Unter den siebzig bei uns heimischen Baumwanzen gibt es auch einige Arten, die räuberisch leben und auf Kräutern, Büschen und Bäumen viele Schadinsekten vernichten. Sie helfen bei der biologischen Schädlingsbekämpfung und entschädigen uns für die geringe Belästigung, die durch ihre stinkenden Verwandten verursacht wird.
30.10.2009 - aktualisiert: 30.10.2009 06:01 Uhr
Die Lebensaufgabe für Eltern der Amokopfer 
Der Hammer-Vorschlag aus dem Publikum kommt garantiert 
Kräftiger Aufschlag für Bäder-Eintritt 
Wer definiert den rechten Rand der CDU? 
Standesbeamte haben wieder mehr zu tun 
Der Seriensieger verliert - im Pokal 
Bei Wutanfällen jedesmal die Notrufnummer gewählt 
Stefan Doll ist längst unverzichtbar 
Den ganzen Tag in guten Händen 
]