Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 30.10.2009

 

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Wer definiert den rechten Rand der CDU?

Waiblingen Die Stadträtin Susanne Gruber glaubt ihre Parteikollegen "mehrheitlich" hinter sich. Kathrin Wesely
 

Am Montagabend wird sich Susanne Gruber auf der Sitzung des CDU-Stadtverbandes ihren Parteikollegen erklären müssen. Man wird dort wissen wollen, warum sie sich in rechtslastigen, beziehungsweise rechtsextremen Medien zu Wort meldet. Sie wird erklären müssen, warum sie dort ihre persönliche Meinung zu lokalen und bundespolitischen Themen kund tut und dabei vorgibt, für die ganze CDU Waiblingen zu sprechen. Aussagen wie "die CDU ist unter Frau Merkel leider spürbar in die Mitte gerückt" sind Parteikollege Siegfried Kasper sauer aufgestoßen. Einige Waiblinger Parteifreunde haben sich von Gruber distanziert. Auf Anfrage erklärt Gruber, dass sie weder gegen die "Junge Freiheit" noch gegen die rechtsextreme Internetplattform "Politically Incorrect" etwas einzuwenden habe: "Ich stehe zu beiden Medien." In einer Pressemitteilung schreibt Gruber zudem: "Mich wegen des Interviews mit der Wochenzeitschrift ,Junge Freiheit" in eine rechte oder gar rechtsradikale Schublade einordnen zu wollen, ist unredlich. Die Diskussion über diese Plattform und über offene Internetforen überdeckt leider meine inhaltlichen Aussagen."



Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete mit Waiblinger Wahlkreis, Joachim Pfeiffer, stimmt mit der Position Grubers überein. Wo sie ihre Meinung publiziert, ist für ihn Nebensache: "Inhaltlich hat Frau Gruber Recht, wir müssen Rechts- und Linksextremismus gleichermaßen bekämpfen. Allerdings muss jeder selbst wissen, wo und wem gegenüber er Erklärungen abgibt."



Grubers ursprüngliche "inhaltlichen Aussagen" sind aber nicht Konsens in der Waiblinger CDU: Die Stadträtin hatte das Kulturhaus Schwanen für die Aktionswoche "Bunt statt braun" kritisiert, weil dabei das Thema Linksextremismus außen vor bleibe. Die Veranstaltung wird vom Kulturhaus, der Fachstelle Rechtsextremismus des Landratsamtes, dem Kreisjugendring, der Kinder- und Jugendförderung der Stadt, der Polizeidirektion Waiblingen sowie von der Schulsozialarbeit im Salier-Schulzentrum ausgerichtet. Im Kern geht es um Gewalt unter Jugendlichen. Dieses Jahr war der Schwerpunkt Mobbing. Der Linksextremismus war bislang bei "Bunt statt braun" kein Thema. Er spielt auch bei Straftaten im Landkreis keine Rolle, wie die Polizeistatistik zeigt.



Siegfried Kasper und Michael Stumpp, die beide sowohl im Gemeinderat als auch im CDU-Stadtverband vertreten sind, teilen die Ansicht, dass man Linksextremismus ebenso verfolgen müsse wie Rechtsextremismus. Allein Grubers Aufhänger für die Debatte, "Bunt statt braun", ist aus ihrer Sicht ungeeignet.



Nachdem sich Gruber bei den Bloggern auf der Internetseite "Politically Incorrect" für den Zuspruch auch von Rechtsradikalen und Rassisten bedankt hatte, ging der CDU-Stadtverband auf Abstand: Der Fraktion fehle "jedes Verständnis", so Kasper. Gruber rechtfertigt ihre Dankesworte: "Ich habe mich da privat bedankt. Das geht keinen etwas an." Die 52-Jährige glaubt, dass ihre politische Haltung mit ihrem Parteibuch durchaus vereinbar ist: Sie genieße "mehrheitlichen Rückhalt". Es gebe in der CDU eine Mitte, einen modernen und einen konservativem Flügel. Sie gehöre zu letzterem und fühle sich in der CDU nach wie vor zuhause, obwohl sie die Kanzlerin im Interview mit deutlichen Worten kritisiert: "Mein Eindruck ist, dass Merkels Kurs vor allem den Medien geschuldet ist. Darüber wächst die Distanz zum Bürger. Vor allem beim Schmusekurs gegenüber dem Islam sehe ich eine erhebliche Diskrepanz zwischen Medien und Politik einerseits und den Bürgern andererseits."
 

30.10.2009 - aktualisiert: 30.10.2009 06:02 Uhr

 

 



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