Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 30.10.2009
Fellbach. Im Rems-Murr-Kreis wurden im vergangenen Jahr mehr Paare getraut als in den Jahren zuvor. Von Susanne Herrmann
Das Leben mit einem Partner in einer Ehe sei "nach wie vor die dominante Lebensform in Baden-Württemberg", sagt Erich Stutzer, Leiter des Referats "Sozialwissenschaftliche Analysen, Familienwissenschaftliche Forschungsstelle" beim Statistischen Landesamt in Stuttgart. Fakt sei ebenso, dass die Menschen immer später heiraten und die Anzahl derer, die sich dafür entscheiden, ledig zu bleiben, zunimmt. Als einen Indikator für eine künftige Singlegesellschaft sieht er dies allerdings nicht. Zwar nehme das Alleinleben zu, allerdings scheine das häufiger unfreiwillig zu geschehen als dass es eine Alternative zur festen Paarbeziehung wäre.
Liegt die Ehe neuerdings wieder im Trend? Zumindest schlossen in Baden-Württemberg vergangenes Jahr 48 612 Paare den Bund fürs Leben, 1379 Paare oder rund drei Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Im Kreis kletterten die Zahlen ebenfalls: Insgesamt 1801 Trauungen gab es, 141 oder 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch bundesweit heirateten mehr Paare. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt, gab es rund 7000 Eheschließungen mehr als 2007. Insgesamt rund 375 000 Hochzeitsfeiern gingen somit über die Bühne.
Wenig Unterschied macht es übrigens, ob die Paare in Städten oder Landkreisen leben. Die Heiratshäufigkeit, also die Zahl der Eheschließungen je 1000 Einwohner, ist zwischen Stadt und Land relativ ausgeglichen. Unterschiede gibt es freilich: Am wenigsten Lust auf den Trauschein hatten letztes Jahr die Paare im Stadtkreis Mannheim. Nur 3,6 Eheschließungen je 1000 Einwohner gab es hier. Am heiratsfreudigsten waren dagegen die Paare im Stadtkreis Baden-Baden mit umgerechnet 7,2 Eheschließungen. Der Rems-Murr-Kreis lag mit seiner Quote von 4,3 im unteren Bereich.
Blickt man ein Jahrzehnt zurück, wird auch hier die sinkende Tendenz der Eheschließungen deutlich. Im Jahr 1998 wurden im Kreis noch 5,3 Ehen je 1000 Einwohner geschlossen. Besonders viel los war auf den Standesämtern am 8. 8. 2008. Ebenso begehrt war das Datum 20. 8. 2008. Landes- und bundesweit wollten viele unbedingt am Schnapszahl-Datum heiraten.
Nicht immer spielte sich die Szenerie im Standesamt ab: In Baden-Württemberg wählten die Brautpaare als passendes Ambiente auch das Mercedes-Benz-Museum oder das aus der TV-Serie "Schwarzwaldklinik" bekannte Schwarzwaldhaus.
Ziemlich skeptisch sind die Standesbeamten, was den Schnapszahl-Boom betrifft, der im Jahr 1977 begonnen hat. Klaus Kaim, Vizepräsident des Bundesverbands der Standesbeamten und seit 20 Jahren Standesbeamter, lehnt die Schnapszahl ab. Vielfach würden die Ehen an diesen Daten zu spontan geschlossen, und ziemlich bald darauf landeten die Papiere dann an anderer Stelle, nämlich beim Scheidungsrichter. Egal, ob lang- oder kurzfristig geplant, der erfahrene Standesbeamte Kaim empfiehlt, Abstand zu halten von den Schnapszahlen. Dann habe man es ungleich ruhiger. Zumal eine Schnapszahl auch ihre Tücken hat: Diesen Termin darf man wirklich nicht mehr vergessen.
30.10.2009 - aktualisiert: 30.10.2009 06:02 Uhr
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