Die Anfragen von Leserinnen und Lesern, die sich nach der Herkunft schwäbischer Begriffe erkundigen, nehmen kein Ende. Um genau zu sein: Sie fluten. Folgender Brief hat uns zuletzt von unserem Leser Herbert Pfaff aus Nürtingen erreicht:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
seit langem ist mir ein Begriff unklar. Vielleicht können Sie ja eine Lösung finden oder meine Vermutung erhärten. Es handelt sich um den schönen Begriff ,Nautschoiss' - ein Ausdruck, der hier im Neckartal weitgehend unbekannt ist. Meine Mutter aus dem Filstal benützte ihn mir als Kind gegenüber des Öfteren. Eine Erklärung fand ich aber bis heute nicht. Während gelehrte Tübinger eine Verbindung zum Gefährt ,Chaise' herstellten, vermute ich den Ursprung eher in bäuerlich-landwirtschaftlichen Umständen. Mit freundlichen Grüßen, Herbert Pfaff".
Wir sind wie immer um keine Antwort verlegen: Ein Nautschoiss macht sich unbeliebt, er stört etwas. Ich erinnere mich gut daran, dass es mich als kleines Kind unheimlich störte, wenn meine Mutter im Erwachsenengespräch zu lange verweilte. Mein Verlangen weiterzugehen, suchte sie oft mit folgenden Worten zu besänftigen: "Sei doch koi so a Nautschoiss!" Umschrieben wird damit also die Ungeduld, das Nicht-warten- oder -abwarten-Können.
Als sinnfälliger Ursprung erscheint mir: Wenn zum Beispiel eine Kuh überraschend kalbte, dann könnte das "notschössig" eilige Hilfsmaßnahmen erforderlich gemacht haben. Wenn das Kälble nicht warten konnte, wurde es zum Nautschoiss.
Jetzt sind die Leserinnen und Leser gefragt: Wissen Sie, was ein Nautschoiss ist? Wir sind auf Ihre Antworten gespannt. Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 7205 - 7309; land@stn.zgs.de