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Vierte Staffel von "6 and the City"

Von Toren und Autoren

Foto: dpa

Torhüter Timo Hildebrand gibt Gastspiel als Dramatiker
 

Stuttgart - "6 and the City" heißt das Autorenprojekt des Theaters Rampe auf dem Fernsehturm. Für die aktuelle, vierte Staffel haben Petra Weimer und Stephan Bruckmeier sechs neue Autoren gewonnen, darunter den Torhüter Timo Hildebrand.

Timo Hildebrand hat zwölf Jahre beim VfB Stuttgart gespielt, jetzt wackelt er auf seinem Stuhl hin und her. Zwar steckt auch in dem Wort Autor ein Tor, ansonsten hat beides aber nicht viel miteinander zu tun. "Ich schreibe nicht", wird Hildebrand später sagen. Für den Monolog, den Regisseur und Schauspieler Stephan Bruckmeier in Szene setzt, haben sich die beiden zum Mittagessen getroffen. Hildebrand hat erzählt und Bruckmeier aufgeschrieben - wie es ist, kurz vor dem Elfmeter zu stehen, der darüber entscheidet, ob die Mannschaft deutscher Meister wird oder nicht.

Die Reflexion über Verantwortung, Druck und Schmerz des erwachsenen Torwarts vermischen sich mit den Gedanken des fünfjährigen Hildebrands, der seine ersten Torhüterhandschuhe geschenkt bekommt. Nach einer Mischung aus kindlicher Unbedarftheit und erwachsenem Verantwortungsbewusstsein klingt auch die Sprache des Monologs. Etwa: "Es vergeht kein Tag, an dem mir nicht etwas weh tut - ich mag keinen Schmerz". Hildebrand verschafft dem Ensemble rund um Petra Weimer und Stephan Bruckmeier freilich Aufmerksamkeit für ihr Projekt. Auch wenn die Inszenierung den Promifaktor eigentlich gar nicht nötig hätte. Unter dem Motto "Stoppt Stuttgart" setzen sich die Autoren mit den Macken ihrer Stadt auseinander - politisch unkorrekt, absurd und vor allem: witzig. Die Krimiautorin Uta-Maria Heim beschreibt in ihrem Dramolett "Big Raushole" ein skurriles Was-wäre-wenn-Szenerio in einem Luxusaltenheim auf dem Killesberg. Verschrobene Senioren, die sich beim Diktator-Quartett um Hitler streiten, werden gewahr, dass es nicht der linke Widerstand ist, der sterben musste. John Birke entwirft in "Globalisierung ist ein krasser Kunde, Darling" die Vision eines Stuttgart 22. Der Talkessel soll abgedeckelt und Stuttgart zur Doppelstockstadt umgebaut werden - zum Leidwesen der Grüne Armee Fraktion. Am Ende ist klar: Der Fernsehturm muss gesprengt werden. Wer Angst hat, ist also nur vernünftig.
 


Anne Guhlich

03.11.2009 - aktualisiert: 03.11.2009 17:57 Uhr

 



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