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Robbie Williams

Mittenrein und knapp vorbei

Foto: dpa

Stuttgart - In Sachen Marketing ist Williams immer noch weit vorne mit dabei. Mit seinem neuen Album "Reality Killed The Videostar", das an diesem Freitag erscheint, soll er seine Plattenfirma retten. Dazu hat er die große Maschine angeworfen mit Straßenkonzert und Werbebotschaften im Fernsehen.

Vier Jahre sind im Pop eine lange Zeit. Im Jahre 2005 veröffentlichte Robbie Williams sein Album "Intensive Care" und ging mit seinen Europakonzerten in den Vorverkauf. 1,6 Millionen Tickets gingen weg wie nix. Weltrekord!

Mit dem Album "Reality Killed The Videostar" schießt Williams mittenrein in den Mainstream. Und verfehlt sein Ziel dabei aber knapp. Was kann noch kommen, wenn man weltweit über 55 Millionen Platten verkauft hat, das letzte Album aber ein Flop bei den Fans war? Man macht mal wieder Musik. Neu ist, dass Robbie Williams auch den Titel der "Spex" zieren darf. Ganz nach dem Motto: Alles ist möglich, alles ist Pop.

Musikalisch geholfen hat dabei Trevor Horn, der von ABC über Heaven 17 bis Spandau Ballet schon sehr viele Bands produziert hat. Am bekanntesten ist Horns Hit "Video Killed The Radio Star", das als erstes Video auf MTV lief. 30 Jahre später heißt es "Reality Killed The Video Star", was Antwort auf die Klingeltondauerschleifen der Musiksender, aber auch Verneigung vor Horns Schaffen ist. Der Produzent ist denn auf Williams' neuntem Album der Meister, Robbie Williams der Geselle. Da werden die Stile so zusammengesetzt, dass nur an manchen Stellen dezente Lücken klaffen. Die Oberfläche ist auf Hochglanz poliert, in der sich Robbie Williams schön spiegeln kann. "From my reflection, I want perfection", singt er in der ersten Singleauskopplung "Bodies" so passend.

Das Gute? Das Album fällt nicht auseinander. Robbie Williams ist in Bestform. Er singt, säuselt und schmachtet. Besonders schön in dem entrückten "Blasphemy", ein Song noch aus der Guy-Chambers-Zeit. Das weniger Gute? Dem Gros der 13 Stücke fehlen der Witz, die Selbstironie, der Bombast und das kleine bisschen Größenwahn. Kein neues "Supreme", von einer Melodie wie bei "Eternity" ganz zu schweigen, kein opulentes "Feel". Auch die exaltierten "Let Me Entertain You"-Zeiten sind vorbei. "You Know Me" ist ein Schmachtfetzen, "Do You Mind" ist hart an der Schmerz-Kitsch-Grenze. "I can't behave", säuselt Williams in "Blasphemy". Man würde sich das irgendwie sehr wünschen. Wenn er aus dem Mainstream-Korsett auszubrechen versucht, wie etwa in dem angestrengten Electropop-Stück "Difficult For Weirdos", klingt das sehr gewollt. In dem Pet-Shop-Boyesken "Last Days Of Disco" singt Williams: "Don't Call It A Comeback." Stimmt. Ein Comeback von Take That in Originalbesetzung steht noch aus.
 

Anja Wasserbäch

05.11.2009 - aktualisiert: 04.11.2009 19:21 Uhr

 



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