London - In Großbritannien geht es in einem Rechtsstreit darum, ob die Ansicht vom menschenverursachten Klimawandel eine politische oder wissenschaftlich begründete Meinung oder eine philosophische Ansicht ist. Wer sich am Arbeitsplatz aufgrund seiner grünen Überzeugung diskriminiert fühlt, kann Wiedergutmachung fordern. Ein Gericht entschied zuunsten eines geschassten Briten, dessen Ansichten mit denen seiner Vorgesetzte kollidierten.
Als Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit bei der Immobilienfirma Grainger hätte Tim Nicholson eigentlich mit dem Verständnis seiner Vorgesetzten rechnen sollen. Im vergangenen Jahr wurde er allerdings entlassen. Nach Ansicht von Nicholson aufgrund seiner Überzeugung bezüglich des Klimawandels. In einem Rechtsspruch wurde jetzt entschieden, dass solch ein Vorwurf tatsächlich vor Gericht geltend gemacht werden kann. Sollte Nicholson die Klage gewinnen, könnten viele entlassene britische Arbeitnehmer nachziehen.
In der ersten Rechtsprechung dieser Art hieß es, Nicholson hege einen "philosophischen Glauben an den Klimawandel", der ihm den gleichen Schutz zugestehe wie Menschen, die aus religiösen Gründen diskriminiert werden.
Nach Ansicht des zuständigen Richters hätten Angestellte das Recht auf Wiedergutmachung, sollten sie aufgrund ihrer Haltung am Arbeitsplatz benachteiligt werden. Dazu zählten Konflikte wie die Kohlendioxid-(CO2)-Reduzierung eines Unternehmens, Abfallverwertung und die Nutzung von bestimmten Verkehrsmitteln.
Tim Nicholson ist ein aktiver Klimaschützer. "Meine Überzeugung beeinflusst die Wahl meines Heims, wie ich reise, was ich kaufe, esse und trinke", erklärte der 42-Jährige. "Ich fliege nicht mehr, ich habe mein Haus umweltfreundlich renoviert, ich kompostiere meinen Abfall und rege andere Menschen an, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren." Ein starker Kontrast zu seinen Arbeitgebern.
Nachdem ein Vorgesetzter sein Blackberry vergessen hatte, wurde ein Grainger-Mitarbeiter per Flugzeug von London nach Irland geschickt, um das Telefon zu holen. Nicholsons Bestrebungen, Daten für ein internes Programm zur Emissionsreduzierung zu sammeln, wurden blockiert. Nicholsons Kritik am Verhalten des Unternehmens führte dann offenbar zu seiner Entlassung.