Sevilla - Beim 1:1 im Champions-League-Spiel in Sevilla war Markus Babbel richtig sauer. Der VfB-Teamchef fühlte sich von seinen Spielern alleingelassen - zumindest in der erschreckend schwachen ersten Halbzeit. Die Frage ist nur: Warum lassen sich die Profis erst bitten?
Zur Halbzeit reagierte sich Babbel verbal ab. "Ich musste laut werden", sagte er. Die Lethargie seiner Spieler trieb ihn zur Weißglut: "Das ist wie bei Kindern, da musst du auch ab und zu laut werden." Den Spielern schärfte er ein: "Der Einzige, der hier Angst haben muss, bin ich. Weil es um meinen Kopf geht. Aber für so eine Leistung halte ich ihn nicht hin."
Muss er auch nicht. Denn die Kabinenpredigt zeigte Wirkung. Nach dem Wechsel dominierte der VfB an diesem Abend der Extreme, auf die bisher schlechteste Halbzeit folgte die wohl beste Hälfte dieser Saison. Das ist schön, andererseits aber auch bedenklich. Babbel geht ständig ans Limit, emotional, verbal und kämpferisch - doch warum ziehen die Spieler nicht regelmäßig mit? Warum muss Babbel erst aus der Haut fahren? Und wie häufig lässt sich das wiederholen, ohne sich abzunutzen? Schon jetzt meinte Serdar Tasci auf die Frage, ob ihn der Wutausbruch überrascht habe, ungerührt: "Das war ja nicht das erste Mal."
Ob die ansprechende Leistung nach der Pause nun auch in der bisher tristen Saison eine Wende darstellt, muss sich weisen. Sicher ist nur: Durchmogeln hilft jetzt nicht mehr - Siege müssen her.