vom 09.11.2009
Degerloch. Klettern kann jeder. Weil immer mehr Leute es auch versuchen wollen, wurde im Kletterzentrum angebaut. Von Katharina Sorg
Dass sie nicht mit ihren Eltern in die Berge fahren muss, wenn sie einen Felsen erklimmen möchte, sondern mit dem Bus nur auf die Waldau, hat sie der Erfindung der künstlichen Kletteranlagen zu verdanken. Nach der Eröffnung des Erweiterungsbaus am Sonntag erstreckt sich unter dem Dach des Kletterzentrum Stuttgart mit 3700 Quadratmetern nun die deutschlandweit größte Kunstfelsenlandschaft.
Lucas bewegt sich geschmeidig am Fels entlang. Er findet den nächsten Griff mit einer Selbstverständlichkeit, als würde es sich bei der Route um seinen täglichen Schulweg handeln. Seit vier Jahren klettert der 14-Jährige und kann sich keine bessere Sportart vorstellen. "Man hat einfach auch sehr schnell Erfolgserlebnisse", sagt er. Darin sieht auch Anke Hoffmann, die Betreiberin des Kletterzentrums, den steigenden Wunsch zum Emporsteigen begründet. "Man kann Klettern sehr schnell lernen und sieht seine Fortschritte bei jedem Mal. Außerdem kann man auch mit jemandem gemeinsam klettern, der vielleicht noch nicht so gut ist".
Und so bestimmte auf der Waldau dann auch die steigende Nachfrage das Angebot. 1, 7 Millionen Euro hat der Anbau gekostet. Er war nötig, um den vielen Felsensportlern, vom Anfänger bis zum Profi, weiterhin genug Platz zu bieten. "In diesem Jahr kommen wir auf rund 100 000 Besucher", sagt Hoffmann.
Einem regelmäßigen Besucher der Schwäbischen Alb dürfte die Felsenlandschaft zunächst die Augenbrauen in Richtung Stirn wandern lassen. Graue Wände, an die sich unendlich viele bunte Sandförmchen zu schmiegen scheinen. Doch vor dem geübten Auge des Klettermaxen verwandeln sich die scheinbar wahllos angebrachten Förmchen zu Griffen und ihre Farben zu Wegweisern für Hände und Füße.
"Es gibt verschiedene Routen, die jeweils verschiedene Schwierigkeitsgrade haben", erklärt Hoffmann. "Dabei weisen die Farben dem Kletterer den Weg".
450 verschiedene Routen können erklommen werden. Die Zahl am Beginn der Strecke ist die Orientierung für die Eroberer der Felswand, welche Schwierigkeiten sie bei ihrem Aufstieg erwarten. Die Zahl drei ist die Zahl, nach der sich Anfänger in der Halle umsehen sollten. Sie kennzeichnet die einfachsten Strecken, die Zahl elf hingegen die extrem schweren.
Auf der rauen Oberfläche der Griffe finden die Finger schnell Halt. Hat man dann erst einmal den Fuß auf die nächste Halterung gesetzt, kann man erahnen, dass der Wunsch, es ganz nach oben zu schaffen, ein großer Antrieb sein kann. Doch der nächste Schritt muss gut gewählt sein. "Am Anfang ist es wichtig, dass man darauf achtet, dass Oberkörper und Füße etwa in einer Linie sind. Dann ist es auch mit der Balance einfacher", sagt Anke Hoffmann. Grundsätzlich könne aber jeder klettern. Denn die Kraft ist nicht so entscheidend wie Technik und Gleichgewichtssinn.
"Wer bei uns klettern will, der muss allerdings auch sichern können", sagt Hoffmann. Bei einer Hallenhöhe von 16 Metern könnte ein Absturz ohne Sicherung auch schnell zum Abschied für immer werden.
Deshalb wird nur zu zweit geklettert, wobei der eine die Felswand erklimmt und der andere mit Seil und Sicherungsgerät auf ihn achtet. "Das Sichern kann man bei uns beispielsweise in einem Wochenendkurs lernen", erklärt Hoffmann. Sichern kann Sofia schon und in der neuen Halle kann sie in Zukunft sogar an die Decke gehen. Die Dachroute machts möglich.
09.11.2009 - aktualisiert: 09.11.2009 06:01 Uhr