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Neue ZDF-Serie

Wir sind Soko

Ermittlerteam der Soko Stuttgart: Astrid M. Fünderich, Karl Kranzkowski, Nina Gnädig, Benjamin Strecker und Peter Ketnath (v. li.)
Foto: dpa

Am Donnerstag wird Stuttgart im ZDF zur Soko-Stadt - und der Jubel vom OB bis zum Medienminister ist groß. Die Reaktionen zeigen, wie sehr wir noch immer filmisches Entwicklungsland sind.

Leichen können die Menschen bis hoch in die Politik erfreuen, sofern sie blutüberströmt auf Stuttgarter Gemarkung liegen. Rasch vergessen hat Medienminister Wolfgang Reinhart das frühe Sterben der in Ludwigsburg gedrehten Daily Soap "Eine für alle" und feiert nun umso heftiger Mord und Totschlag der "Soko Stuttgart" als "Erfolg für den Filmstandort Baden-Württemberg".

Die neue ZDF-Serie, die morgen um 18 Uhr startet und künftig jede Woche läuft, biete Filmschaffenden der Region die Möglichkeit, ihr Auskommen endlich auch daheim zu sichern. OB Wolfgang Schuster, der die erste Folge "Santa Maria" unter anderem mit dem Polizeipräsidenten Siegfried Stumpf vorab gesehen hat, findet es "erfreulich, dass die Stadt Stuttgart nachts so sympathisch rüberkommt". Auch Stumpf schwärmt: "Ich habe die erste Folge als sehr kurzweilig empfunden, die Stadt ist sehr gut herausgekommen, es war viel Action zu sehen."

Action und viel Sympathien für Stuttgart: Das ZDF präsentiert mit wunderschönen Panoramaaufnahmen, die sich wie ein Refrain mehrfach wiederholen, eine Großstadt, in der selbst nachts die Lichter nicht ausgehen. Der Blick von den Hügeln hat was von San Francisco. Wer von den Fernsehzuschauern wird da schon ahnen, dass Stuttgart bei allem Hang zum Großspurigen an vielen Stellen Dorf geblieben ist?

"Die Stadt hat sich unglaublich verändert."

Die Verbindung von Metropole und Provinz zählt doch gerade zu unseren Trümpfen, was die neue Serie in Folge eins noch nicht erkennt. Gedreht ist der Krimi, wie man heute moderne Krimis eben dreht: Schnelle Schnitte, farbintensive Kulissen, die klinisch rein wirken. Die "Soko Oeffingen" oder "Soko Bempflingen" würden garantiert nicht anders aussehen.

"Sehr hip, sehr smart" fand Hollywood-Star Mel Brooks Stuttgart, wie er bereits 2006 "Spiegel online" anvertraute. Mit Köln und Düsseldorf sei Stuttgart "die unterbewerteste Stadt in Deutschland". Aber nun kommt das ZDF! Nun wird alles anders! "Nervös", bekannte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut, sei er geworden, als er unlängst eine Umfrage las, wonach 82 Prozent der Stuttgarter "keinen Stress haben". Dies sei für einen Krimi ja nicht so günstig. Dennoch war er von dem hier bisher Erlebten so angetan, dass er grünes Licht für die zweite Staffel gab.

Auch Produktionsleiter Oliver Vogel von der Bavaria sieht nahezu paradiesische Zustände: "Jede Behörde des Landes und der Stadt Stuttgart unterstützt unsere Dreharbeiten weit übers übliche Maß hinaus." Und dann hat Vogel gesagt, was wir auch von den Schauspielern nun oft hören: Stuttgart sei "ganz anders" und gelte "zu Unrecht als bieder und konservativ".

Peter Kenath, 35, einer der Hauptdarsteller, etwa meint überraschenderweise, "die Stadt ist besser als ihr Ruf". Sein Kollege Benjamin Strecker, 26, der den IT-Sonderling der Soko spielt, ist in Gaisburg aufgewachsen. Sein Verhältnis zur Heimatstadt ist "zwiespältig". Mit 20 Jahren wollte er nur schnell weg. Nun kehrt Strecker zurück und erkennt Stuttgart kaum wieder: "Die Stadt hat sich unglaublich verändert." Also zum Positiven.

Wir sind Soko. Vielleicht merken es auch die Zuschauer noch, dass wir nicht nur nachts äußerst sympathisch sind. Und nicht jeder, der über Stuttgart herzieht und die alten Klischees bemüht, wird von uns niedergemetzelt. Oder vielleicht doch. Das ZDF braucht ständig neue Leichen für die Quote!
 

Uwe Bogen

11.11.2009 - aktualisiert: 11.11.2009 17:44 Uhr

 



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