Artikel aus der Filder Zeitung vom 16.11.2009

 

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Hunde müssen im Dunkeln helle sein

Vaihingen. Gute Hunde-Manieren sind bei der Nachtübung gefragt gewesen. Von Alexandra Kratz
 

Es regnet in Strömen und der Wind hat aufgefrischt. Bei so einem Wetter jagt man eigentlich keinen Hund vor die Tür. In Vadrouilles Fall ist das aber auch nicht nötig, er geht freiwillig. Unruhig tritt der vierjährige Schnauzermix von einer Pfote auf die andere. Er scheint zu wissen, dass er gleich einige Herausforderungen zu meistern hat. Die Hundetrainerin Sandra Habmann vom Vaihinger Verein für Schutz- und Begleithunde gibt Vadrouilles Frauchen Ines Schulz letzte Anweisungen. Die wichtigste: Den Hund unbedingt an der Leine lassen. Denn manche Vierbeiner erschrecken bei dem ein oder anderen Test und rennen davon. Dann geht es auf die Strecke, welche der Verein für seine Nachtübung ausgesucht hat.



Unterwegs fängt Ines Schulz an zu erzählen. Als Vadrouille ungefähr sechs Monate alt war, habe sie ihn aus einem französischen Tierheim geholt. "Sein Name bedeutet übersetzt Streuner oder Vagabund - und das passt zu ihm", sagt die junge Frau. Angeblich habe der Rüde seine gleichaltrigen Geschwister tyrannisiert, weshalb er ins Heim gesteckt worden sei. Doch wenn man Vadrouille in die Augen blickt, kann man sich das nicht vorstellen.



An diesem Abend jedenfalls er zeigt sich von seiner besten Seite. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen. Als während der Tour am Wegesrand jemand nach Hilfe ruft, macht er auf Kommando Sitz und bleibt, wo er ist, während sein Frauchen sich dem vermeintlich Fremden - der natürlich ein Vereinsmitglied ist - nähert. Auch als Schulz von einem Polizisten angesprochen wird - ebenfalls nur im Spiel - bleibt Vadrouille ruhig. Als zwei Trunkenbolde aus dem Gebüsch auftauchen und sein Frauchen lallend anpöbeln, schaut sich der vierjährige Mischling die Szene beinah amüsiert an. "Vielleicht erkennt er auch einfach die Vereinsmitglieder", mutmaßt Schulz. Denn eigentlich habe Vadrouille schon mal eine große Klappe - insbesondere, wenn andere Rüden oder eben angetrunkenen Personen kämen.



Doch Ines Schulz hat ihren Hund im Griff - und das ist kein Zufall. Mehrmals in der Woche ist sie mit dem Mischling auf dem Hundeübungsplatz im Westen Vaihingens . Dann stehen Hundesport und Gehorsamsübungen auf dem Programm. "Vadrouille ist ein richtiger Vorzeigehund", lobt die Hundetrainerin Sandra Habmann. Doch nicht alle Vierbeiner seien so besonnen. "Und bei Dunkelheit reagieren sie unter Umständen völlig anders als bei Tag. Manche erschrecken, wenn Fremde kommen, andere werden sogar aggressiv. Darauf müssen die Besitzer vorbereitet sein. Das wollen wir mit unserer Nachtübung erreichen", erklärt Habmann.



Ines Schulz und Vadrouille sind inzwischen wieder am Vereinsheim an der Kurmärker Straße angekommen - nass wie zwei begossenen Pudel, aber zufrieden. Und Vadrouilles gute Laune steigert sich noch, als er zur Belohnung für sein hervorragendes Benehmen ein paar Leckerlis und Streicheleinheiten bekommt.
 

16.11.2009 - aktualisiert: 16.11.2009 06:01 Uhr

 

 



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