Aus dem Raum Aalen wird gefragt, woher das Wort Õraoså, das auf der Ostalb bekannt ist, herstammt. Als Erklärung wird angefügt, dass es etwas mit Krümel und Essensresten zu tun habe.
Nun, zunächst denkt man, wenn man Krümel hört, an Brösel und Brosamen und versucht, auf dieser Schiene zu einer Erklärung zu kommen. In Fischers Schwäbischem Lexikon wird Brösel mit der schwäbischen Aussprache Braosål in den Bedeutungen Brotkrume und anderes fein Zerstückeltes wie Abfall von Holz oder Torf angezeigt.
Das Problem bei Braosål ist jedoch der Anfangslaut b, der nicht zu dem nasalen Õ bei Õraoså passt. Möglich wäre eine Verwischung des b zu õ infolge einer unklaren Aussprache. Als der Fragesteller einen Auszug aus einem Wörterbuch nachreichte, in dem die Sprechweisen Oraosa, Aorosa, Duroasa und Urausa dargestellt waren, musste die Suche von neuem beginnen.
Und tatsächlich - es fand sich das so heiß ersehnte Stammwort. Wiederum ist es Fischers Wörterbuch, das Hilfe in der Not leistet. Das zuletzt erwähnte Urausa legt die Spur zu Urasen mit einer Vielzahl von schwäbischen Sprechformen, unter anderem auch Õraoså. Und was bedeutet dieses Wort alles: "Überreste, insbesondere beim Essen; teils ungenießbare Teile wie Kartoffelschalen . . . auch Abfälle vom Futter der Tiere; dann Überbleibsel, Abfall, Ausschuss".
Interessant ist die Herkunft der Begriffe: Auskunft darüber gibt das Grimm'sche Wörterbuch, und zwar bei der alten Form "Urasz". Im Althochdeutschen hieß das Stammverb noch "urezzan", das unter anderem meint: "zu essen aufhören aus überdrusz daran, eszbares wählerisch übriglassen". Außerdem ist in dem Lexikon "vom verstreuten heu, das vom vieh wählerisch verworfen" wurde, die Rede. Und auch "reste beim tuchmachen, beim spinnen; abfälle von scherben, steinen, holzstücken, die beim werfen der erde durch das sieb zurückbleiben", werden hier genannt.
Zu den oben erwähnten Sprechformen gehört auch duròså, und mancher Leser wird sich zu Recht fragen, wie dieses Wort nun hierher passt. Zunächst ist der Anfangslaut "d" zu untersuchen, was einfach zu erklären ist, da er als verkürzter Artikel "die" auftritt, der sich in der Aussprache mit dem Wort verbunden hat: d'uròså. Und das offene ò ist die lautliche Nachfolge zum ao. Übrigens: Wer Essensreste auf dem Tisch lässt, der sorgt für å Õraosåde.
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