Stuttgart - Die Ordnungshüter in der Umweltzone Stuttgart machen Ernst. Selbst der Besitzer eines beispielhaft sauberen Hybridautos soll Bußgeld zahlen, weil er ohne Plakette fuhr. Doch der Bayer geht lieber ins Gefängnis - und wird zum Ankläger einer wirkungslosen Regelungswut.
Dieter Thalmayr hat gelernt, die Schwaben zu fürchten. Das liegt an ein paar Tagen im Mai 2009. Damals reiste der EDV-Berater aus Pfaffenhofen an der Ilm nach Stuttgart, um Fachhochschüler in die Geheimnisse des Linux-Betriebssystems einzuweihen. Am Donnerstag kommender Woche soll er wieder aus seiner Heimatstadt zwischen München und Ingolstadt nach Stuttgart kommen - diesmal als Angeklagter im Amtsgericht. Thalmayr weigert sich, ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro zu bezahlen. Und er bezahlt auch nicht die 23,50 Euro Gebühr dafür, dass er Einspruch gegen den Bußgeldbescheid erhob.
Die Schuld des Bayern ist, dass er an einem Sonntagabend ohne Plakette von der Autobahn zu seinem Hotel in der Umweltzone fuhr und den Wagen dort bis Freitag stehen ließ. Er habe sich, sagt der wortgewaltige Bayer, nichts Böses dabei gedacht.
Als der 46-Jährige sich Stuttgart näherte, war es dunkel und regnerisch. Das Schild, das an der Autobahnausfahrt auf die Umweltzone hinweist, habe er nicht gesehen. Das Navigationsgerät lieferte auch keinen Hinweis. Und wenn: "Hätte ich den Wagen dann dort stehen lassen und den Weg zu Fuß fortsetzen sollen?" Dass es im Raum Stuttgart eine Umweltzone gibt wie in München, hatte er schon mal gehört. Dass er für den Weg zum Hotel die Plakette brauche, war ihm unklar.
So ähnlich könnten sich auch die anderen Autofahrer äußern, die seit 1. April 2008 in Stuttgart ein Knöllchen kassierten, weil sie keine Plakette hatten. Mit Thalmayr freilich hat es einen Mann getroffen, der das vermutlich umweltfreundlichste Pkw-Modell fährt. Der Toyota Prius ist nach dem Urteil der Umweltverbände unter den Autos das kleinste Übel. Das Hybridfahrzeug mit kombiniertem Elektro- und Benzinmotor gilt als besonders benzinsparend und abgasarm, produziert vorbildlich wenig Treibhausgas Kohlendioxid. Den Wagen hat Thalmayr vor zweieinhalb Jahren gekauft, als es keine staatliche Förderung gegeben habe. Er kauft ihn, weil der Prius modern war (und ist) und weil er, Thalmayr, ein "leicht avantgardistisch angehauchter Mann" ist, der was für die Umwelt tun wollte.
Die Politesse, der sein Wagen in der Stuttgarter Silberburgstraße auffiel, war offenbar unbeeindruckt. Aber nicht nur sie. Thalmayr schrieb Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU). Der antwortete zwar, dass er Verständnis für solche Autofahrer habe, die mit der Wahl und der umweltschonenden Nutzung ihres Wagens einen aktiven Beitrag zur Verminderung der Luftverunreinigung leisten. Doch er verwies auch auf die formalen Bestimmungen. Das Verfahren lief weiter. Die Bußgeldstelle durfte ihres Amtes walten. Und genau das bringt den Bayer auf die Palme.
"Warum", fragt er, "brachte es denn niemand fertig, zu mir zu sagen: ,Thalmayr, du bist halt aus Versehen ohne Plakette reingefahren, aber mit einem besonders umweltfreundlichen Auto'? ,Schick den Beleg, dass du nachträglich eine Plakette gekauft hast, und die Sache ist in Ordnung."'