Stuttgart - Nach jahrelangen Verzögerungen soll der Bau des umstrittenen Milliarden-Bahnprojektes Stuttgart 21 nun im kommenden Februar beginnen. Allerdings gilt auch jetzt noch ein Vorbehalt. Denn ob die Arbeiten überhaupt anfangen, hänge von einer aktualisierten Kostenrechnung der Bahn und von dem darauf basierenden Beschluss der beteiligten Kostenträger im Dezember ab, sagte Projekt-Sprecher Wolfgang Drexler am Montag in Stuttgart.
Er erwarte, dass die Geldgeber - Bahn, Bund, Land, Stadt Stuttgart und Verband Region Stuttgart - im Lenkungsausschuss noch "vor Weihnachten" ihren Beschluss bekanntgeben. Dem Ausschuss gehören unter anderem Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), Bahnchef Rüdiger Grube und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) an.
Zu den Gesamtkosten für die Verlegung des Hauptbahnhofs unter die Erde und dessen Anschluss an die Schnellbahntrasse nach Ulm sagte er: "Ich hoffe und vermute, dass wir die 4,5 Milliarden nicht durchstoßen werden." Diese Summe umfasst die Baukosten von 3,076 Milliarden Euro und den geplanten Risikofonds von 1,4 Milliarden Euro. Drexler wies darauf hin, dass Stuttgart 21 als einziges Großprojekt überhaupt einen Risikofonds habe. So würden etwa Kostensteigerungen bei Autobahnen automatisch vom Bund getragen.
Bahnchef Rüdiger Grube hatte kürzlich gesagt, die kalkulierten Baukosten reichten nicht aus. Die Risikovorsorge müsse in die Kalkulation einbezogen werden. Aber auch für ihn Liege bei 4,5 Milliarden Euro die "Sollbruchstelle". Nach Drexlers Worten ist in den jüngsten Verträgen festgehalten, dass die Projektpartner noch bis Ende dieses Jahres aus dem Vorhaben aussteigen können - aber nur, wenn 4,5 Milliarden Euro überschritten und die darüber hinausgehenden Kosten von niemandem übernommen werden. "Auch wenn die Kosten nahe daran liegen, gibt es keine Ausstiegsklausel." Das Land prüfe derzeit auch im Auftrag von Stadt und Region die Plausibilität der jüngsten Kostenberechnungen der Bahn, auch auf Basis früherer Kalkulationen.
Der Gleisumbau, der den Aushub der Baugrube für den Tiefbahnhof ermöglicht, soll zweieinhalb Jahre dauern - ein Jahr länger als geplant. Das werde sich aber nicht auf die anvisierten Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofes im Jahr 2019 auswirken, versicherte Drexler. Zwar hätten sich die Kosten für die Maßnahme, für die bisher 35 Millionen Euro vorgesehen waren, erhöht, jedoch nicht verdoppelt. Während des Umbaus werden auf die Nutzer der S-Bahn im kommenden Frühsommer/Sommer an acht Wochenenden "mittelschwere Einschränkungen" zukommen, sagte Christian Becker von der DB Netz AG.