Beim Joggen in den Weinbergen des Remstales kam Ursula Hägele das Wort afterbergla in den Sinn, und sie nimmt an, dass damit das Pflücken verbliebener Trauben nach der Weinlese gemeint ist. Dies trifft voll zu, doch hat der Ausdruck aftårbärglå, der auch in anderen Sprechweisen vorkommt, nur am Rande mit den Weinbergen zu tun.
Betrachten wir zunächst die Vorsilbe "after". Hägele vermutet, dass sie etwas mit dem Englischen zu tun haben könnte. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm finden wir jedoch das Wort "after" mit dem Hinweis, dass es schon im Althochdeutschen als aftar in der Bedeutung "nach", "hinter" existierte. Zurück geht es auf "aber", das im Altgermanischen, also vor 2000 Jahren, als "afar" schon dieselbe Bedeutung hatte. Hier hat die Verkettung mit dem Englischen ihre Wurzel. Ab dem 5. Jahrhundert wanderten germanische Stämme der Angeln und Sachsen, die bis dahin im heutigen Schleswig-Holstein und an der Unterelbe siedelten, in das von den Römern aufgegebene Britannien. Mitgenommen haben sie ihre germanische Sprache, und dabei auch das Wort aftar, das heute noch im Englischen vorkommt.
In ihrem Wörterbuch zählen die Brüder Grimm insgesamt 84 Wörter mit der Vorsilbe "after" auf, die in der deutschen Sprache zu Hause waren, darunter Afterbier (Nachbier oder Halbbier), Afterglaube (Aberglaube), Afterrede (Nachrede). Im heutigen Duden finden wir außer After gerade noch drei Wörter, darunter den englischen Import Aftershave. In "Fischers Schwäbischem Wörterbuch" werden mehrere After-Wörter genannt wie Aftergras oder Aftermontag (Dienstag) - Begriffe, die heute so gut wie nicht mehr gebraucht werden.
Doch zurück zu aftårbärglå: Man versteht darunter eine erlaubte Nachlese nach der Ernte sowohl an fremden Obstbäumen, in Weinbergen als auch auf Kartoffeläckern (bärglå = einsammeln). Andernorts spricht man von schbäåglå.
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