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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 26.11.2009

Das Vaterspiel

Vaterhass und Schuldgefühle

Mit seinem Hang zum Experimentellen und Absurden spaltete der Österreicher Michael Glawogger die Kritiker seines letzten Films "Contact High" - bei seiner verschachtelten Adaption von Josef Haslingers Roman "Das Vaterspiel" dürfte das kaum anders werden. Es beginnt in Wien, 1999: Der 35-jährige Rupert "Ratz" Kramer (Helmut Köpping) tüftelt seit Jahren an Egoshooter-Computerspielen, in denen er immer wieder seinen Vater (Christian Tramitz) tötet, einen SPÖ-Minister. Als ihn seine Ex-Kommilitonin Mimi (Sabine Timoteo) anruft und bittet, nach New York zu kommen, sagt Ratz sofort zu.

Parallel dazu eine Episode aus dem Jahr 1959: Der aus Litauen stammende Jude Jonas Shtrom (Ulrich Tukur) gibt in der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg die Geschichte seines 1941 von SS-Hilfstruppen ermordeten Vaters zu Protokoll. Schuldgefühle plagen ihn, weil er seinen Vater nicht zu retten versuchte.

Zwei Söhne, deren Leben von ihren Vätern bestimmt wird, und nur allmählich offenbart sich, was die Handlungsstränge verbindet: In New York erfährt Ratz, dass er das Kellerversteck von Mimis Großvater renovieren soll. Der lebt dort verborgen seit 32 Jahren - seit Shtrom ihn als Mörder seines Vaters identifizierte. Formal fasziniert der Film ungemein, etwa wenn Ratz in einer psychedelischen Sequenz von den Figuren seines ödipalen Ballerspiels verfolgt wird. Dazu sind Darsteller und Dialoge, oft mit schwarzem österreichischem Humor gewürzt, über weite Strecken grandios. Dramaturgisch gilt das nicht gleichermaßen, die Handlung bleibt arg fragmentarisch, am Ende scheint die aufgestaute Spannung einfach zu verpuffen.

Zugleich wirkt das seltsam banale Finale stimmig, denn Glawogger hat zuvor die Banalität der Gründe angedeutet, warum Menschen hassen, warum sie schuldig oder "böse" werden. So hasst Ratz seinen Vater nicht wegen drastischer Misshandlungen, sondern wegen dessen selbstverliebter, hinter Liberalität versteckter Gleichgültigkeit. Und Mimis Großvater erscheint zwar wie ein harmloser Opa, offenbart dann aber, wie fern ihm Reue ist, da er die Rassenideologie der Nazis immer noch für ein Naturgesetz hält.
 

Oliver Stenzel

26.11.2009 - aktualisiert: 26.11.2009 12:55 Uhr

 


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