Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 01.12.2009
Rommelshausen. Busfahren will gelernt sein - auch von Fahrgästen. Schüler besuchen das Unternehmen Schlienz. Von Brigitte Hess
Deshalb ist Gymnasiallehrerin Judith Scheel als Verkehrsbeauftragte des FSG mit den neuen Fünftklässlern, die täglich Bus fahren müssen, auf Besuch im Kernener Busunternehmen Schlienz. Einer der Chefs, Matthias Schlienz, nimmt sich persönlich der Kinderschar an. Geprobt wird etwa, "gesittet" einzusteigen. Baff ist er darüber, wie wichtig den Kindern ein ganz bestimmter Platz im Bus ist: "Das hätte ich nicht gedacht, dass sie Lieblingsplätze haben...", wundert sich der Busunternehmer.
Wenn es schon nicht zum Lieblingsplatz reicht, dann wenigstens überhaupt zu einem Sitzplatz: "Stehen ist doof", sind sich die 45 Zehn- und Elfjährigen einig. Nach einer Busstürmung alten Stils, die 40 Sekunden dauert, stoppt Schlienz, wie lange es währt, bis das zwölf Meter lange Busungetüm geordnet bestiegen worden ist. Es dauert auch nicht länger, wundern sich alle Beteiligten. Ohne Ranzen auf dem Buckel klappt es allerdings in der halben Zeit. "Die Ranzen machen doch unheimlich viel aus, sie sind sperrig und im Wege und verleiten noch mehr zum Drängeln", sagt Matthias Schlienz.
Mancher muss trotz aller Drängelei stehen. Für den gibt Schlienz Tipps zum sicheren Stand bei plötzlichen Bremsungen und führt die hydraulische Türschließung vor: "Ihr braucht keine Angst zu haben, von der Türe eingeklemmt zu werden", sagt der Fachmann und zeigt, wie man mit ein wenig Kraft eine sich schließende Tür aufhalten und sogar wieder aufdrücken kann. "Es ist ein kleiner Widerstand, wie das Wasser beim Schwimmen", beschreibt es ein Junge, der das Sicherheitssystem testet.
Bei der Besichtigung der Werkstatt stürmen tausend Fragen auf Matthias Schlienz ein. Der Wissensdurst der Kinder wird durch jede Frage noch mehr angestachelt. Von der riesigen Bus-Waschanlage lassen sich manche Kinder kreischend nassspritzen. Das "Badezimmer" der Busse liegt gleich neben deren "Schlafzimmer": "Auch Busse schlafen manchmal", sagt Matthias Schlienz mit einem Augenzwinkern und zeigt die riesige Stehhalle, in der dicht gedrängt fast alle der 23 Reisebusse und Linienbusse, die im Rommelshauser Betriebshof stationiert sind, unterkommen. Dort werden sie auch täglich gereinigt, "auch wenn man das oft schon nach einer Stunde nicht mehr sieht", sagt Schlienz.
Ob der Lehrgang was genützt hat, werden Hajati Duran und Sami Masood bald merken. "Extrem aufpassen" werden die beiden Busfahrer wohl trotzdem weiterhin.
01.12.2009 - aktualisiert: 01.12.2009 06:02 Uhr
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