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Stuttgart

Kirchen verlieren massiv Mitglieder

Foto: Eppler

Stuttgart - Die beiden großen christlichen Kirchen stehen in Stuttgart vor enormen strukturellen Problemen: Nach einer aktuellen Prognose des Statistischen Amts verliert die evangelische Kirche bis zum Jahr 2020 fast 50.000 Mitglieder - und Kirchensteuerzahler. Die katholische Kirche schrumpft um etwa 29.000 Mitglieder.

 
 


Stuttgart verliert zusehends seinen Status als evangelisch geprägte Stadt. Zum einen nimmt die Zahl der Einwohner mit einer sonstigen oder keiner Kirchenzugehörigkeit seit Jahren deutlich zu. Zum anderen hat die evangelische Kirche in den vergangenen 50 Jahren dramatisch an Mitgliedern verloren: Bekannten sich Ende der 1950er Jahre noch 390.000 Stuttgarter zum Protestantismus, sind es derzeit noch 176.113 Einwohner. Damit hat die evangelische Kirche von 1957 bis heute mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren - insgesamt 213.887.

Nicht viel besser sieht es bei der katholischen Kirche aus. Sie zählt derzeit 150.679 Mitglieder, das sind 64.575 weniger als im Jahr 1972, als die römisch-katholische Kirche ihren höchsten Mitgliederstand in Stuttgart verzeichnete.

Drittstärkste Religionsgemeinschaft in der Landeshauptstadt ist der Islam. Verlässliche Zahlen sind zwar Mangelware, das Statistische Amt geht aber davon aus, das in Stuttgart mittlerweile mehr als 50.000 Muslime leben. Die letzte amtliche Zahl datiert aus dem Jahr 1987: Damals gaben bei der Volkszählung in Stuttgart 22.599 Einwohner an, einer islamischen Religionsgemeinschaft anzugehören. Wie sich die Zahl der Muslime in Zukunft entwickelt, darüber will Michael Haußmann keine Prognose abgeben. "Schätzungen sind zu unsicher, weil wir nicht wissen, wie sich die Zuwanderung entwickelt und wie sich die kommenden Generationen in Sachen Religion entscheiden", sagt der Abteilungsleiter für Bevölkerung und Wahlen im Statistischen Amt.

Gehörten 1975 noch 81 Prozent der Einwohner einer der beiden großen Volkskirchen an (evangelisch 49 Prozent/katholisch 32 Prozent), waren es Ende 2008 nur noch knapp 56 Prozent (evangelisch 30/katholisch 26). Zum Vergleich: In Frankfurt ist schon jetzt mehr als die Hälfte der Einwohner nicht kirchlich gebunden, in Berlin gehören nur noch 30 Prozent einer der beiden großen christlichen Kirchen an.

Noch mehr als der Blick in die Vergangenheit, müssen die Kirchen jedoch die Zukunftsprognosen sorgen. Glaubt man den Vorausberechnungen des Statistischen Amts, setzt sich der Schrumpfungsprozess bis 2020 ungebremst fort: So verlieren die Protestanten noch einmal rund 49.000 Mitglieder, 27 Prozent. Die katholische Kirche wird in elf Jahren etwa 29.000 Mitglieder weniger zählen. Es handle sich zwar nur um eine "grobe Quotenprognose", betont Abteilungsleiter Joachim Eicken, die auch auf einem Rückgang der Gesamteinwohnerzahl um rund 30.000 auf 560.000 beruhe. Die Tendenz ist dennoch eindeutig: "Es geht weiterhin bergab, da darf man sich nicht in die Tasche lügen." Eicken nimmt kein Blatt vor den Mund: "Ich sehe keinerlei Licht am Horizont." Aus statistischer Sicht sei kein Ende des Schrumpfungsprozesses erkennbar.

"Die Einwohner mit hoher Kirchenbindung sterben aus", erklärt der Statistiker. "Die Kirchenbindung bei jüngeren Altersgruppen liegt um 20 Prozentpunkte unter dem Wert der aktuellen Seniorengeneration." Die These, "wenn die ,alten' Gottesdienstbesucher sterben, dann wachsen ja neue ,Alte' als künftige Gottesdienstbesucher nach", könne er nicht bestätigen. Als Gründe für den Mitgliederschwund nennt Eicken die "Entkirchlichung" in allen Altersgruppen, eine Überalterung der Kirchen und das allgemeine Geburtendefizit.

Hinzu kommen aktive Kirchenaustritte, die sehr stark von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig seien, wie steuerlichen Voraussetzungen oder der allgemeinen Wirtschaftslage, sagt Eicken. Und: "Wer einmal ausgetreten ist, kommt in der Regel nicht mehr zurück." Wiedereintritte seien nahezu ausschließlich mit der Taufe eines Kindes oder einer Hochzeit verbunden.
 

Steffen Rometsch

01.12.2009 - aktualisiert: 02.12.2009 09:06 Uhr

 


Lesermeinungen
03.12.2009 16:34
Autor: Rolf Huber

ich denke und fühle genau so wie Herr Alfred Schweizer und wenn jemand etwas gegen die alten männer in der katholischen Kirche hat, wäre es doch sinnvoller sich in der Kirche zu engagieren oder in die evang. Kirche zu gehen. Um die Menschen wieder in die Kirche zu bekommen bzw. zum Glauben zu bekommen muss einfach mehr von den Kirchengemeinden getan werden. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der evang.Kirchengemeinde in Heimerdingen, wo ich als Katholik zur Zeit einen Glaubenskurs "ALPHA" mit mache und langsam wieder an den Glauben an Gott herangeführt werde, den ich lange Zeit verloren hatte.(Auch wegen den Betonköpfen bzw. Alten Männer in der kath.Kirche). Ich habe mir auch Jahrelang eingeredet dass die Kath. Kirche daran schuld ist, habe aber nach dem 1. ALPHA-
Kurs eingesehen,daß es nur an mir selbst liegt. Ich bin wieder zum christlichen Glauben gekommen und es ist mir egal ob es kath.-oder evang. Kirchen sind. Beide Konvesionen glauben an Gott, an Jesus Christus, den heiligen Geist und an das Wort Gottes "DIE BIBEL".

 

03.12.2009 12:33
Autor: Manfred

Solange die (z.B.) kath.Kirche von alten Männern "regiert" wird, die nicht wissen wir eine Familie "funktioniert", Baby`s wenige Stunden nach der Geburt durch die sogenannte Taufe dem Konzern hinzugeführt werden, solange mir, ob ich will oder nicht, Kirchensteuer vom Lohn geklaut wird, wird die Kirche immer weiter schwinden! Wer in die Kirche will , soll bitte sehr Eintritt zahlen! Nur ich fürchte, daß es dann noch leerer in den Kirchen wird! Das Argument die Kirche betreibe u.a. Kindergärten usw. gilt nicht; sie machen es ja nicht aus Nächstenliebe sondern gegen bare Münze von den Eltern der Kinder und meinem Kirchensteuergeld!

 

03.12.2009 09:59
Autor: Jeremy Coltrane

Die Welt braucht liebevolle Herzen.
Liebende Herzen brauchen weder einen Papst noch einen Ayatollah.
Diese führen wie Kirchtürme und Minaretts nur zum Streit.

 

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