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... warum wir Stuttgart lieben (41)

Loblied aufs Lieblingskino

Foto: Hörner

Stuttgart hat elf Filmtheater mit 47 Sälen. Große, die diesen Namen verdienen und das Blockbuster-Publikum fassen, Schuhschachteln fürs Minderheiten-Programm. Alles ist geboten und immer aktuell. Wie es sich für eine Großstadt gehört. Ideal für jemanden, bei dem die Begeisterung für Filme so früh ausgebrochen ist wie eine Kinderkrankheit. "Ich wünschte, du würdest die Lateinvokabeln so gut beherrschen wie die Namen von Filmstars", zürnte der Vater. Die Mutter hatte mehr Verständnis und spendierte oft Karten für die Nachmittagsvorstellung im Vorstadtkino.

Die Lust auf regelmäßige Kino-Besuche haben weder Glotze noch altersbedingte Bequemlichkeit geschmälert. Ein DVD-Gerät besitze ich bis heute nicht.

Wozu auch? Soll man sich vielleicht mit Freunden zum Heimkino verabreden? Das könnten wir Peter Erasmus nie antun. Zugegeben: Es gibt bessere Filmtheater als sein Atelier am Bollwerk. Aber diese Einschränkung gilt einzig und allein der Architektur und geht auf das Konto eines gewissen Günter Behnisch. Der Mann mag ein Star-Architekt sein, aber von Kino hat er keine Ahnung. Behaupten wir mal frech, nachdem wir seit Jahren den Hals recken müssen, um, über und zwischen den Vordersitzern hindurchlugend, einen vollständigen Blick auf die Leinwand zu haben. Weil die Anordnung der Sitze allen Regeln für einen idealen Zuschauerraum Hohn sprechen.

Trotzdem lieben wir dieses Kino, das zur Arthaus-Gruppe gehört. Für das Programm. Wo sonst bekäme man einen eher abseitigen Film wie "Das Erbe der Bergler" über Bergbauern in der Schweiz zu sehen? Oder ein minimalistisches Spätwerk von Alain Resnais? Und wo sonst hat man es schon erlebt, dass das Publikum vor Freude und Begeisterung über den entzückenden Streifen "Die Standesbeamtin" das Liebesglück und -leid der Protagonisten emotional und lauthals kommentiert? Nirgendwo.

Ja, sicher, Popcorn wird auch hier verkauft. Aber lange nicht so penetrant und laut geknuspert wie anderswo. Und seltener rammt hier der Hintermann, hingelümmelt wie auf dem heimischen Sofa, die Füße in die Lehne. Es geht einfach gesitteter zu als heute im Kino leider üblich. Was wahrscheinlich am meist höheren Altersdurchschnitt des Publikums liegt. Das übrigens kein Schnabeltassen-Programm braucht und daher diesem Kino genauso treu ist und bleibt wie wir.
 

Heidemarie A. Hechtel

02.12.2009 - aktualisiert: 03.12.2009 10:07 Uhr

 



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