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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 03.12.2009

Zweiohrkücken

Nullhirnmann und Tausendschuhzicke

Bei "Keinohrhasen" ist die Welt noch in Ordnung. Sie besteht aus kleinen Kindern mit dreckigen Kleidern und Rotznasen, aus Spaziergängen in wogenden Feldern und aus Anna (Nora Tschirner) - einer Erzieherin mit großer Brille und schlabbrigen Kleidern. Wenn sie telefoniert, liest sie vom Konzeptpapier ab, wenn sie auf ein Brett steigt, fliegt es ihr an die Stirn, und wenn sie aufs Klo geht, ist kein Papier mehr da. Der Film ist ursprünglich, der Humor niedlich und sein Charme liegt darin, dass Anna irgendwie anders ist - und trotzdem cool.

In "Zweiohrküken" ist Anna nicht mehr anders. Sie und Ludo (Til Schweiger) sind inzwischen in einer mehrjährigen Beziehung. Im Stil einer Nummernrevue streiten sie sich darüber, welche Schuhe Anna anzieht, wer die leeren Flaschen wegbringt und wer die Milch einkaufen geht. Die Mann-Frau-Nummer kann ihren Reiz haben - man muss nur darauf gefasst sein. Das ist aber niemand, der den ersten Teil gesehen hat. Denn der ist ja gerade deswegen schön, weil Regisseur Schweiger Klischees dort unterläuft. In "Zweiohrküken" dagegen lässt er kaum eine stereotype Beziehungskiste aus: Es gibt die vollbusige Konkurrentin und den großschwänzigen Nebenbuhler, dreckige Fußballschuhe, Handyschnüffeleien, Sich-nicht-mehr-beachtet-Fühlen, Fremdgehen und was sonst noch passieren kann, wenn eine Beziehung in die Jahre gekommen ist.

Die natürliche Ursprünglichkeit von "Keinohrhasen" übertreibt Schweiger so sehr, dass am Ende nur noch plumper Fäkalhumor übrigbleibt. Die Toilettenszene war im ersten Teil noch nett, weil sie so gut zu der Figur gepasst hat. Im zweiten Teil dagegen muss der Zuschauer ertragen, wie Matthias Schweighöfer als Moritz groß macht, und stellenweise versperrt ein Riesenpenis die Sicht. Das ist alles nicht besonders empörend - auch nicht revolutionär. Aber lustig ist es halt schon gleich gar nicht. Am Ende gibt es dann noch Romantik. Wir lernen, dass wir die Fehler des anderen akzeptieren müssen und dass es der Liebe egal ist, ob jemand im Intimbereich rasiert ist. Nora Tschirner spielt zwar witzig und Til Schweiger ist immer noch hübsch anzusehen, aber das ändert auch nichts an dem ernüchternden Gefühl, das dieser Film hinterlässt.
 

Anne Guhlich

03.12.2009 - aktualisiert: 03.12.2009 10:01 Uhr

 


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